Zwischen Hornsignal und Halluzination – Pattinson & Dafoe im Leuchtturm
Ein Film, viele Interpretationen. Szenen und Geräusche, die einen nicht nur deprimieren, sondern langsam in den Wahnsinn treiben. Ist der Film gut? Das lässt sich nicht so einfach beantworten.
Er setzt voraus, dass man unterschwelligen Horror mag, H. P. Lovecraft schätzt und bereit ist, sein Gehirn einzuschalten – denn das sind die Bedingungen, um sich auf dieses Werk einzulassen. Wer das nicht mag, sollte die Finger davon lassen. Wer es mag, bekommt ein kleines Meisterwerk.
Der Film ist in Schwarz-Weiß aufgenommen, im strengen 4:3-Format. Die Szenen sind nicht wie heute üblich in kurze Fragmente zerlegt, sondern bewusst länger gehalten, um die tiefgründige Stimmung zu verstärken. So stehen die beiden Protagonisten – Thomas Wake (Willem Dafoe) und Ephraim Winslow alias Thomas Howard (Robert Pattinson) – schon mal 30 Sekunden vor der Tür des Leuchtturms, bevor sie hineingehen.
Der Ton ist monoton, geprägt von regelmäßigen Hornsignalen, die Schiffe vor der gefährlichen Küste warnen. Diese akustische Schwere drückt sich tief in die Stimmung. Gleichzeitig muss man auf die Details achten: Im scheinbar monotonen Alltag verbergen sich viele kleine Geheimnisse.
Es stellen sich Fragen: Sind die beiden vielleicht nur einer? Wer ist der junge Mann wirklich? Wer hat bereits einen Mord begangen? Gibt es die Meerjungfrau (Valeriia Karaman) tatsächlich? Und dann blitzt noch griechische Mythologie auf – man denke an Prometheus.
Fazit:
Der Leuchtturm kann ein großartiger Film sein – wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen und psychisch die deprimierende Stimmung auszuhalten.


