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Johnny Mnemonic: Die Zukunft von gestern

So stellte man sich also das Internet des Jahres 2021 vor: an manchen Stellen faszinierend visionĂ€r, an anderen charmant veraltet. Der Cyberspace wirkt wie eine frĂŒhe VR‑Fantasie, wĂ€hrend gleichzeitig noch fröhlich Faxe zur DatenĂŒbermittlung rattern – ein wunderbarer Blick in die Zukunft von gestern.

William Gibson, der Vater des Cyberpunk, liefert hier die Vorlage und man spĂŒrt seine Handschrift, auch wenn der Film nicht an die literarische Wucht von Neuromancer heranreicht. DafĂŒr punktet er mit einer erstaunlich prominenten Besetzung: von Ice‑T ĂŒber Dolph Lundgren bis hin zu Udo Kier tauchen viele bekannte Gesichter auf, die dem Film eine gewisse Kultschwere verleihen.

Optisch dreht Johnny Mnemonic vor allem im letzten Drittel richtig auf. Die Sets werden grĂ¶ĂŸer, dreckiger, atmosphĂ€rischer – und man erkennt deutlich die Ă€sthetischen Vorboten dessen, was die Wachowski‑Geschwister spĂ€ter in Matrix perfektionieren sollten. Das Produktionsdesign wirkt stellenweise wie aus einem Manga entsprungen, kantig, ĂŒberzeichnet, aber durchaus reizvoll.

Schauspielerisch und erzĂ€hlerisch bleibt der Film dagegen hinter seinen Möglichkeiten zurĂŒck. Vieles wirkt holprig, manches unfreiwillig komisch, und insgesamt schleicht sich der Eindruck eines ambitionierten B‑Movies ein. Auch die Ausleuchtung schwĂ€chelt an einigen Ecken, was die ohnehin spröde AtmosphĂ€re nicht immer trĂ€gt.

Fazit:
Wer die frĂŒhen Wurzeln des Cyberpunk und die stilistischen VorlĂ€ufer von Matrix entdecken möchte, sollte Johnny Mnemonic definitiv eine Chance geben. Ein Meisterwerk ist er nicht – aber ein wegweisendes, leicht chaotisches KultstĂŒck allemal.

Bewertung: 3 von 5.

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