Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke. Wenn Trauer eine Stimme sucht.

Erwartet keine Komödie — auch wenn der Trailer etwas anderes verspricht. Das ist ein Drama. Joachim verliert seinen Bruder bei einem Autounfall und bricht danach radikal mit seinen bisherigen Plänen: Er will Schauspieler werden. Die Schauspielerei wird für ihn zum Ventil; er überträgt seine Trauer in die Rollen. Trotzdem bleibt das Trauma ungelöst.
Für die Schauspielschule zieht er nach München zu seinen Großeltern, die er noch aus der Kindheit mit ihren seltsamen Gewohnheiten kennt. Die Villa ist ein eigener Kosmos aus schrulligen Ritualen, Alkohol und liebevoller Härte — ein Ort, der gleichzeitig Schutz und Herausforderung ist. Sein Leben geht weiter bergab: Die Großmutter erleidet einen Schlaganfall, seine Eltern trennen sich, und die vermeintlichen Rettungsanker erweisen sich als brüchig. Dank seiner Großmutter bekommt er eine Filmrolle — doch bei der Premiere verliert er seine Stimme, weil er synchronisiert wurde. Dieses Verstummen ist mehr als ein technisches Missgeschick: Es wird zum Symbol für Joachims Unfähigkeit, seine eigene Stimme zu finden, solange die Trauer ihn stumm hält. In diesem Moment wird ihm klar, dass er erst seine Trauer und seine Träume verarbeiten muss, bevor er die Schauspielerei wirklich weitermachen kann.
Der Film zeigt, wie Schauspiel als Flucht und als Konfrontation zugleich funktionieren kann: Joachim lernt, dass Rollen nicht automatisch heilen. Die Schule mit ihren absurden Übungen (von überdrehten Körperübungen bis zu bizarren Anweisungen wie „mit den Brustwarzen lächeln“) steht für eine Welt, die Leistung über Gefühl setzt — und an der Joachim immer wieder scheitert. Die Großeltern dagegen bringen ihn mit ihrer rauen, manchmal komischen Menschlichkeit zurück zur Realität. Die Lücke bleibt sichtbar, aber sie wird auch zum Ausgangspunkt einer langsamen, schmerzhaften Annäherung an sich selbst.
Fazit: Ein leises, kluges Drama, das Trauer nicht dramatisiert, sondern in kleinen, oft absurden Alltagsszenen verortet. Kein Feel‑Good‑Film, sondern ein Film, der nachklingt — über Verlust, Identität und die Suche nach der eigenen Stimme.

