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The Smashing Machine – Wenn der Film selbst nicht weiß, wohin er will

Was mich in den Film gezogen hat, waren die Kritiken und die Bilder von Dwayne Johnson – oder besser gesagt: von dem Mann, der kaum wiederzuerkennen ist. Für die Rolle des Mark Kerr hat er ordentlich an Masse zugelegt und trägt plötzlich Haare auf dem Kopf. Das Biopic über den UFC-Champion will zeigen, dass The Rock mehr kann als charmant Bösewichte verprügeln und die Augenbraue hochziehen. Mit diesem Gedanken bin ich ins Kino gegangen.

Doch leider weiß der Film nicht, was er mir erzählen möchte.

Ist es die Beziehung zwischen Kerr und seiner Freundin Dawn Staples, die – meiner Meinung nach – toxisch ist? Obwohl die Szenen zwischen ihnen gut gespielt sind, wirkt die Beziehung am Ende erschöpft: keiner fühlt sich verstanden, beide sind emotional am Limit. Und trotzdem wird das Ende dieser Beziehung nicht gezeigt, sondern im Abspann in drei Sätzen abgehandelt: Sie kamen wieder zusammen, waren sechs Jahre verheiratet und bekamen ein Kind. Das wirkt wie ein Nachtrag, nicht wie ein erzählerischer Abschluss.

Besonders absurd ist die Szene am Pool mit dem Kaktus. Dawn gibt Kerr ein Messer – mit der Schneide auf ihn gerichtet. Er schneidet einen falsch gewachsenen Spross ab, gibt ihr das Messer zurück, und nebenbei wird ein Kinderwunsch diskutiert. Diese Szene hätte man komplett streichen können: Sie ist zu lang, zu bedeutungslos, und andere Beziehungsmomente im Film sind viel ausdrucksstärker.

Oder will der Film uns erzählen, wie es mit Kerrs Sportkarriere läuft? Ja, er kommt ins Viertelfinale – und dann? Wo ist die Dramatik? Er war drogensüchtig, kam davon los – aber warum wurde er süchtig? Wegen der Schmerzen? Und warum hat er später keine mehr und kämpft, als wäre nie etwas gewesen?

Am Ende verliert Kerr, sein bester Freund Mark Coleman gewinnt, Kerr gibt ihm seinen Segen – das ist ein schöner Moment. Doch was folgt, ist eine gefühlt fünfminütige Duschszene, in der The Rock allein unter Wasser steht und lacht. Nicht aus Freude, sondern aus Überforderung, aus Erschöpfung, vielleicht auch aus bitterer Erkenntnis. Parallel sitzt Coleman allein in der Umkleidekabine mit seinem Gürtel. Beide Männer haben gekämpft, beide haben gewonnen und verloren – aber keiner scheint wirklich angekommen zu sein. Diese Szene sagt mehr über den emotionalen Zustand der Figuren als viele der erklärenden Dialoge davor. Und trotzdem bleibt sie ohne Nachklang. Der Film lässt sie einfach stehen, ohne sie weiter zu deuten oder in den größeren Kontext zu setzen.

Wollte der Film uns sagen: Die Stars von damals verdienten kein Geld? Okay – aber das wird nur in einer 30-Sekunden-Szene am Anfang angedeutet, in der Kerr kein Preisgeld bekommt und ein kleines Auto fährt. Und am Ende geht es um 200.000 Dollar, die er nicht gewinnt. Im Abspann heißt es dann: Heutige Kämpfer verdienen Millionen. Toll.

Schauspielerisch bin ich – wie viele andere – der Meinung, dass Dwayne Johnson und Emily Blunt hier Höchstleistungen bringen. Und das tun sie auch.

Fazit: Schauspielerisch stark, aber ein Film ohne klaren Fokus. Er weiß nicht, was er erzählen will, und setzt keine Schwerpunkte. Ich würde ihn mir kein zweites Mal ansehen. Leider. Es hätte viel mehr sein können.

Bewertung: 2 von 5.

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