North of North: Romcom zwischen Eis, Herzschmerz und Inuit-Alltag
Eigentlich wollte ich nur eine gemütliche Romcom für einen entspannten Abend – ein bisschen Herz, ein bisschen Schmerz, nichts Kompliziertes. Bekommen habe ich genau das, aber in einem Setting, das man so selten sieht, dass es die Serie sofort besonders macht.
North of North spielt in einem winzigen Inuk-Dorf in der kanadischen Arktis. Im Mittelpunkt steht eine junge Inuk-Frau, die versucht, ihren eigenen Weg zu gehen – gegen gesellschaftliche Erwartungen, gegen den ständigen Dorftratsch und gegen die Vorstellungen anderer darüber, wie ihr Leben auszusehen hat. Das allein wäre schon spannend genug, doch die Serie verbindet diese Coming-of-Age-Elemente mit einem liebevollen Blick auf eine Kultur, die im Fernsehen viel zu selten vorkommt.
Überraschend sind auch einige bekannte Gesichter, die man in dieser Umgebung nicht unbedingt erwartet hätte – etwa Dan Jeannotte, der mit Schnurrbart deutlich attraktiver wirkt als in seinen Star-Trek-Auftritten.
Die Serie nimmt sich Zeit. Das Dorf ist klein, die Wege sind kurz, und die Probleme sind oft sehr bodenständig: Es gibt zu wenig Arbeitsplätze, weshalb eine neue Forschungsstation gebaut werden soll – und plötzlich steht das ganze Dorf vor der Frage, welcher Standort der richtige ist. Diese Entschleunigung tut der Serie gut und lässt Raum für Charaktere, die man schnell ins Herz schließt.
Auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Gleich in der ersten Folge trennt sich Siaja von ihrem Mann Kuuk, der unbedingt ein weiteres Kind möchte und sie eher in der Rolle der Mutter sieht als in der einer selbstständigen Frau. Für Siaja ist das ein Wendepunkt – ausgelöst durch einen Unfall auf der Jagd, bei dem sie ins Wasser stürzt und eine mysteriöse Frau sieht, die ihr sinnbildlich einen neuen Weg zeigt.
Dazu kommt die überraschende Rückkehr ihres Vaters, den sie nie kennengelernt hat, weil er die Familie schon vor ihrer Geburt verlassen hat. Skurrile Rentner, eigenwillige Kolleginnen und ein weltfremder Boss runden das Ensemble ab – es ist wirklich alles dabei.
Fazit
Wer die kanadische Arktis und ihre Bewohner einmal aus nächster Nähe erleben möchte, wer eine Mischung aus Romcom, Mystery und sanftem Drama sucht, und wer Herz und Schmerz mag, bekommt hier genau das Richtige. North of North ist warmherzig, ungewöhnlich und genau die Art Serie, die man an einem ruhigen Abend genießen kann.

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