Der Teufel trägt Prada 2 – Mode, Macht und warum der Mensch immer noch zählt

Ich war gestern im Kino und bin mit sehr guten Gefühlen rausgegangen. Der Teufel trägt Prada 2 ist kein Film, den man einfach nur konsumiert und wieder vergisst – man kann (und sollte) ihn auf mindestens zwei, vielleicht sogar drei Ebenen betrachten. Und genau das macht ihn interessanter, als man es auf den ersten Blick erwarten würde.
Glamour, Musik & Cameos – ein starker Einstieg
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an:
Der Film sieht großartig aus. Mode, Inszenierung, Musik – das funktioniert. Die Cameo‑Momente sind punktgenau gesetzt, nicht überladen, sondern eher kleine Highlights. Ich sage nur Lady Gaga: ikonisch, stylisch, cooler Song – fertig.
Auch musikalisch fühlt sich der Film rund an. Die Auswahl ist modern, gleichzeitig respektvoll dem ersten Teil gegenüber. Das trägt enorm zur Stimmung bei und holt einen sofort wieder zurück in diese Welt.
Die Story – einfach, aber nicht belanglos
Rein plottechnisch bleibt Der Teufel trägt Prada 2 eher klassisch. Es geht wieder um das Modemagazin Runway, um Macht, Einfluss, Umbrüche in der Branche, Sparzwänge und die Frage, wie lange alte Strukturen noch funktionieren. Der Plot lässt sich locker in drei Sätzen erklären.
Aber:
Der Film nutzt diese Einfachheit, um Themen unserer Zeit zu verhandeln – Klickzahlen statt Tiefe, Tempo statt Recherche, neue Arbeitsrealitäten. Und immer wieder schiebt er eine klare Aussage nach:
👉 Der Mensch hinter der Geschichte ist wichtiger als der schnelle Konsum.
Das macht er angenehm unaufgeregt, ohne erhobenen Zeigefinger.
Andy Sachs – das emotionale Zentrum
Die Figur, die den Film über alle Ebenen hinweg zusammenhält, ist ganz klar Andy Sachs (Anne Hathaway). Andy ist längst keine Praktikantin mehr, sondern eine etablierte Journalistin, die sich ihren Platz erarbeitet hat. Durch berufliche Umstände wird sie erneut in Mirandas Umfeld gezogen.
Einer der stärksten Momente:
Andy bekommt eine zentrale Auszeichnung für ihre Arbeit – und wird im selben Moment gefeuert. Per SMS. Kühl. Unpersönlich.
Härter kann man moderne Arbeitswelt kaum zeigen. Besonders mit Blick auf den US‑Markt wirkt das erschreckend realistisch. Leistung schützt nicht vor Austauschbarkeit. Andy steht dabei für das Gegengewicht: Haltung, Menschlichkeit, Identität.
Anne Hathaway spielt das mit großer Natürlichkeit. Kein großes Drama, kein Overacting – sondern ehrliche Emotion, getragen von ihrer Offenheit und Präsenz.
Emily Charlton – Karriere und alte Spannungen
Emily Charlton (Emily Blunt) ist längst nicht mehr Assistentin, sondern eine hochrangige Führungskraft in der Luxusbranche, unter anderem bei Dior. Das Wiedersehen mit Andy knistert sofort. Alte Spannungen, neue Rollen, unterschwellige Konkurrenz – alles ohne große Worte.
Emily Blunt ist wieder messerscharf, präzise und unglaublich präsent. Das Zusammenspiel der beiden trägt viele der stärksten Szenen.
Miranda Priestly & Nigel – die Konstanten
Miranda Priestly (Meryl Streep) ist nach wie vor eine Macht. Eiskalt, kontrolliert, faszinierend. Jede Szene mit ihr hat Gewicht – allein ihre Präsenz erzählt Geschichte.
Nigel Kipling (Stanley Tucci), der loyale Art Director von Runway, bringt Wärme, Humor und Menschlichkeit hinein. Eine dieser Figuren, die man einfach gern hat und die dem Film Herz geben.
Sasha Barnes – Selbstbestimmung statt Abhängigkeit
Ein ganz wichtiger Punkt ist Sasha Barnes (Lucy Liu).
Ihre Rolle ist keine Antagonistin, kein Gegenspiel – sondern ein bewusst gesetztes Statement.
Sasha zeigt, dass eine Frau für sich selbst stehen kann. Dass ein Mann nicht automatisch das wichtigste Element im Leben oder in einer Beziehung sein muss. Sie ist erfolgreich, klar in ihren Entscheidungen und definiert sich nicht über Abhängigkeit oder Rollenbilder.
Damit transportiert ihre Figur eine der zentralen Botschaften des Films:
Frauen tragen diese Geschichte – jede auf ihre eigene Art.
Lucy Liu spielt das ruhig, souverän, ohne große Gesten. Und genau dadurch wirkt es so stark.
Weitere Figuren
Schön eingebunden sind auch:
- Lily (Tracie Thoms), Andys beste Freundin, als emotionaler Anker.
- Irv Ravitz (Tibor Feldman), der mächtige Vorstandschef hinter Runway.
- Stuart (Kenneth Branagh), Mirandas aktueller Ehemann.
- Benji Barnes (Justin Theroux) und Amari (Simone Ashley), die neue Perspektiven einbringen.
Wichtig: Nate, Andys Freund aus Teil 1, kehrt nicht zurück – was dem Film eher gut tut.
Zusätzliche Analyse‑Ebene: Macht, Rollenbilder und leise Emanzipation
Auf einer weiteren Ebene erzählt Der Teufel trägt Prada 2 von Macht und Selbstdefinition – aber nicht laut oder plakativ, sondern über Entscheidungen und Konsequenzen.
Alle zentralen Frauenfiguren stehen an unterschiedlichen Punkten ihres Lebens. Keine von ihnen erfüllt ein klassisches Rollenbild. Der Film zeigt bewusst:
👉 Es gibt nicht die eine richtige Art, Frau zu sein.
Interessant ist auch, dass männliche Figuren zwar vorhanden sind, aber nicht narrativ dominieren. Sie begleiten, reagieren, unterstützen – doch sie treiben die Geschichte nicht voran. Die Motoren der Handlung sind Frauen.
Der Film stellt dabei eine entscheidende Frage:
Wer definiert Erfolg – und zu welchem Preis?
Andy, Emily, Sasha und Miranda stehen jeweils für unterschiedliche Antworten. Und der Film wertet diese Antworten nicht. Er beobachtet. Er zeigt, dass Macht heute weniger über Lautstärke funktioniert als über Haltung und Positionierung.
👉 Emanzipation heißt hier nicht, alles zu haben.
👉 Emanzipation heißt, bewusst zu wählen – und mit den Konsequenzen zu leben.
Diese Ebene ist leise, aber genau deshalb nachhaltig.
Fazit
Wenn du den ersten Teil mochtest, wirst du mit Der Teufel trägt Prada 2 eine sehr gute Zeit haben. Schauspielerisch legt der Film sogar noch eine Schippe drauf. Mode, Witz, starke Frauenfiguren und zeitgemäße Themen greifen sauber ineinander.
Kleiner Kritikpunkt bleibt das Pacing:
Der Anfang ist stark, das Ende rund – im Mittelteil hätte es hier und da etwas mehr Tempo vertragen.
Trotzdem:
Das ist der perfekte Film für einen netten Kinoabend, gern mit Freund:innen, gern mit einem Gläschen Sekt danach.
👉 Der Teufel trägt Prada 2 ist kein revolutionärer Film – aber ein kluger, unterhaltsamer und sehr gut gespielter.
Und genau das macht ihn sehenswert.

