Sherlock & Daughter – Frischer Wind für eine alte Legende?
Auf dem US‑Sender The CW läuft aktuell die Serie Sherlock & Daughter, und ich habe mir inzwischen alle Folgen angeschaut. Mein Fazit vorweg: Grundsätzlich gefällt mir die Serie ziemlich gut, auch wenn sie nicht frei von Schwächen ist.
Die Prämisse ist erst einmal ungewöhnlich – und genau deshalb spannend:
Sherlock Holmes hat möglicherweise eine Tochter. Möglich deshalb, weil zu Beginn noch völlig offen ist, ob sie wirklich sein Kind ist.
Diese Tochter heißt Amelia Rojas, gespielt von Blu Hunt, eine indigene Amerikanerin. Amelia kommt nach Europa und stolpert ziemlich schnell in ein Netz aus Intrigen, Entführungen und Verschwörungen hinein. Parallel dazu verschwinden zwei von Sherlocks wichtigsten Bezugspersonen: Dr. Watson und Mrs. Hudson. Und wie man es sich denken kann – das alles ist kein Zufall.
Schon früh wird klar: Hier zieht eine größere Macht im Hintergrund die Fäden. Ein ominöser roter Faden, der sich durch die gesamte Staffel zieht, verbindet sämtliche Ereignisse miteinander.
Zwei Wege – ein Netz
Spannend finde ich, dass Sherlock und Amelia anfangs getrennte Wege gehen. Beide ahnen noch nicht, dass sie längst Teil desselben Spiels sind. Ihre Handlungsstränge laufen zunächst parallel, verzahnen sich aber Stück für Stück – und genau das sorgt für Spannung.
Sherlock selbst wird von David Thewlis gespielt, den viele aus den Harry‑Potter-Filmen als Remus Lupin kennen. Die deutsche Synchronstimme ist vertraut und grundsätzlich in Ordnung.
Mein Problem liegt eher in der Besetzung selbst.
Für mich ist Sherlock Holmes:
- zurückgezogen,
- wenig emotional,
- streng logisch,
- ein Beobachter, kein körperlicher Spieler.
David Thewlis wirkt dagegen sehr körperbetont, fast schon fahrig, er bewegt sich viel mit dem Oberkörper, wirkt schlaksig – und genau das fühlt sich für mich nicht ganz richtig an. Auch die deutsche Stimme verstärkt dieses Gefühl nicht unbedingt. Es ist kein Totalausfall, aber eben auch kein perfekter Sherlock.
Der eigentliche Star der Serie
Der absolute Ankerpunkt der Serie ist für mich ganz klar Blu Hunt als Amelia Rojas.
Sie trägt die Serie.
Amelia ist clever, sympathisch, neugierig – und sie besitzt bereits erstaunliche Fähigkeiten, die stark an Sherlock erinnern: Beobachtungsgabe, Kombinationsfähigkeit, Instinkt. Gleichzeitig ist sie nicht perfekt. Sie macht Fehler, lernt dazu, wächst an ihren Aufgaben. Dieser klassische Lehrling‑Effekt funktioniert hier überraschend gut.
Ganz ehrlich:
👉 Ich werde mir die zweite Staffel hauptsächlich wegen ihr anschauen.
Die Antagonisten – mehr als nur böse Gegenspieler
Ganz klassisch beginnt alles mit Professor James Moriarty. Er sitzt zu Beginn im Newgate‑Gefängnis, ist aber trotzdem allgegenwärtig. Moriarty ist hier weniger der Mann der Tat als vielmehr der psychologische Strippenzieher, der auch hinter Gittern noch die Kontrolle behält.
Die eigentliche operative Macht ist das Syndikat „The Red Thread“. Diese Organisation entführt Watson und Mrs. Hudson und macht Sherlock dadurch handlungsunfähig. Jeder falsche Schritt könnte tödliche Konsequenzen haben. Sherlock darf nicht ermitteln.
Und genau hier wird Amelia unverzichtbar:
Sie ist nicht an diesen Kodex gebunden. Sie kann für ihn recherchieren, handeln und Risiken eingehen – dort, wo Sherlock blockiert ist.
Besonders interessant wird es mit Daniel „Dan“ Moriarty, der unter dem Alias Michael Wylie auftritt. Mit australischem Akzent nähert er sich Amelia an und erschleicht sich ihr Vertrauen. Seine Aufgabe: manipulieren, destabilisieren und im Hintergrund ein politisches Attentat vorbereiten.
Abgerundet wird das Ganze durch Lady Violet Somerset. Nach außen Teil der feinen Londoner Gesellschaft, in Wahrheit jedoch tief in die Machenschaften verstrickt. Sie dient als Bindeglied zwischen Unterwelt und Elite und spielt zudem eine Rolle im Mord an Amelias Mutter – was dem Ganzen eine sehr persönliche Note gibt.
Einziger größerer Kritikpunkt bleibt für mich die deutsche Stimme von Moriarty: zu weich, zu wenig Bedrohung, zu wenig Wahnsinn.
Mein Fazit
Sherlock & Daughter erfindet Sherlock Holmes nicht neu, bringt aber frischen Wind in das bekannte Universum.
Die Story ist spannend, gut verwoben und konsequent erzählt. Es gibt echte Risiken, überraschende Wendungen und Figuren, die nicht automatisch sicher sind.
👉 Empfehlung:
Wer Lust auf Sherlock Holmes hat und offen für neue Perspektiven ist, sollte der Serie auf The CW definitiv eine Chance geben. Schon allein Blu Hunt macht das Einschalten lohnenswert.


