Twenty Eight Years Later: The Bone Tempel – Viel Kult, viel Aufbau – und wieder kein Ziel

Viel Kult, viel Aufbau – und wieder kein Ziel
Ich habe mir Twenty Eight Years Later: The Bone Tempel angeschaut – und ganz ehrlich: Ich bin sprachlos. Paradox, denn eigentlich lässt sich diese Sprachlosigkeit mit sehr vielen Worten erklären.
Den vorherigen Teil kannte ich bereits. Ich fand ihn okay, aber extrem langatmig. Man wusste ja: Das ist nicht das Ende, da kommt noch etwas, ein weiterer Film, der das Ganze abrunden soll. Ein großer Impact, ein Moment, der dem endlosen Aufbau endlich einen Sinn gibt. Genau darauf habe ich gewartet. Und wieder kam er nicht.
Der Bone‑Temple‑Kult: Verstörend, aber verschenkt
Zentral ist diesmal die Geschichte rund um den jungen Spike, der nach einem schweren Verlust in die Fänge einer Gruppierung gerät, die sich selbst die „Jimmys“ nennt. Angeführt werden sie von dem charismatisch‑wahnsinnigen Sir Jimmy Crystal.
Die Idee ist eigentlich stark:
Trainingsanzüge, blonde Perücken, brutale Regeln, rituelle Folterungen, alles inszeniert wie eine postapokalyptische Sekte mit satanistisch angehauchtem Weltbild. Man merkt sofort, dass hier etwas Größeres, Bedrohliches aufgebaut werden soll.
Aber auch hier gilt: viel Stil, wenig Substanz. Der Kult ist da, er wirkt verstörend – aber er wird nie so weit ausgespielt, dass er wirklich unter die Haut geht. Wieder wartet man auf den Moment, an dem das Ganze eskaliert. Wieder passiert es nicht.
Der medizinische Hoffnungsschimmer, der keiner ist
Parallel dazu verfolgt der Film eine zweite große Idee:
Dr. Ian Kelson versucht, das Wut‑Virus nicht nur zu bekämpfen, sondern zu verstehen. Mithilfe eines sogenannten „Alpha‑Infizierten“ arbeitet er an einer möglichen Heilung.
Das klingt nach Fortschritt, nach echter Weiterentwicklung des Franchise. Nach Antworten. Doch statt Spannung oder moralischer Tiefe wirkt auch dieser Strang seltsam kraftlos. Am Ende läuft es auf eine Lösung hinaus, die so simpel wie unbefriedigend ist – vor allem, weil sie sich selbst sofort wieder relativiert.
Es fühlt sich nicht nach Erkenntnis an, sondern nach einem erzählerischen Ausweg, um nichts entscheiden zu müssen.
Finale im Knochentempel: Drama ohne Wucht
Im titelgebenden Knochentempel laufen schließlich alle Fäden zusammen. Kult gegen Wissenschaft, Wahnsinn gegen Hoffnung, Vergangenheit gegen Zukunft.
Dr. Kelson versucht, Spike zu schützen – und wird dafür tödlich verletzt. Spike wiederum tötet Sir Jimmy Crystal, unterstützt von Ink, und beide können fliehen. Rein technisch ist das ein Showdown. Emotional? Leider kaum.
Selbst hier bleibt der Film erstaunlich zurückhaltend. Kein großes Chaos, keine Eskalation, kein Moment, der im Gedächtnis bleibt.
Ein Hoffnungsschimmer ganz zum Schluss
Dann, ganz am Ende, passiert etwas, das eigentlich alles überschatten müsste:
Jim – die Hauptfigur aus dem allerersten Film – lebt noch. Er beschützt ein junges Mädchen (mutmaßlich seine Tochter) und entscheidet sich schließlich, Spike und Ink zu helfen.
Ein starker Moment. Ein echter Gänsehaut‑Ansatz.
Aber er kommt zu spät – und wirkt eher wie ein Teaser für einen dritten Teil als wie ein sinnvoller Abschluss von zweien.
Und wo bleiben die Zombies?
Was mir bei all dem komplett fehlt, ist das Gefühl von Bedrohung in der Masse.
Ich will Chaos. Ich will Eskalation. Ich will das Gefühl, dass diese Welt wirklich verloren ist.
Twenty Eight Days Later war intensiv.
Twenty Eight Weeks Later hat das Ganze noch mal aufgedreht.
Years Later dagegen tritt auf der Stelle. Ein paar grausame Szenen, ein bisschen Blut, ein bisschen Ekel – aber kein Zombie‑Hype, keine Wucht, kein Momentum.
Zwei Filme zu viel
Und das ist vielleicht der größte Kritikpunkt:
Man hätte beide Filme locker auf 90 Minuten zusammenschrumpfen können und dabei wahrscheinlich einen besseren, dichteren Film erhalten.
Stattdessen bekommen wir fast vier Stunden Aufbau, Symbolik und Andeutungen – ohne echten payoff.
Fazit
Muss man diesen Film sehen?
👉 Eher nein.
Mein unterm‑Strich‑Fazit bleibt: NÖ.
Zu lang, zu träge, zu wenig Konsequenz. Dass der Film offenbar auch kommerziell nicht eingeschlagen ist, überrascht mich kein bisschen.
Bleibt nur die Frage, ob Teil 3 wirklich den Mut hat, das zu liefern, was diese Reihe seit zwei Filmen verspricht.
Ich bin skeptisch.
Aber vielleicht lasse ich mich ja noch eines Besseren belehren.
