One Battle After Another – Nah dran, kompromisslos, unbequem

Dieser Film erzählt keine Heldengeschichte – er erzählt eine Situation. Und das macht ihn so besonders. Die Kamera bleibt konsequent nah an den Figuren, verzichtet auf epische Weitwinkel und zwingt uns, mit den Charakteren zu atmen, zu zittern, zu fliehen. Besonders eindrucksvoll: die finale Verfolgungsjagd im Anza-Borrego Desert State Park. Kein Hochglanz-Actionmoment, sondern ein rohes, fast dokumentarisches Ringen ums Überleben – mit einer Dynamik, die unter die Haut geht.
Die Schauspieler:innen liefern durchweg Großes. Leonardo DiCaprio verleiht Bob eine eigene Mimik, eine Körpersprache, die zwischen Trauma und Trotz pendelt. Sean Penn als Antagonist ist keine Karikatur des Bösen, sondern eine tickende Zeitbombe – gefährlich, krank, aber nie eindimensional. Benicio del Toro überzeugt als Karate-Lehrer und Flüchtlingshelfer mit ruhiger Autorität, Regina Hall als radikale Revolutionärin bringt Wucht und Würde in jede Szene.
Besonders gelungen ist der McGuffin rund um Teyana Taylor: Ihre Entwicklung vom Karateunterricht in der Schulzeit über den Schießstand bei Nonnen bis zur finalen Szene, in der sie eine Pistole abfeuert – das ist kein Empowerment-Moment, sondern ein Schock. Sie wird nicht zur Superheldin stilisiert, sondern sitzt verstört im Auto. Und genau das ist die Stärke des Films: Er romantisiert nichts.
Thematisch wagt One Battle After Another viel. Es geht um Revolution, Flucht, Rassismus. Weiße Männer diskutieren über „gemischtrassige“ Menschen, und die Frage, ob ein weißer Mann mit einer afroamerikanischen Frau ein Kind gezeugt hat, wird zur existenziellen Bedrohung. Der Film zeigt, wie tief die Ungerechtigkeit sitzt – und wie tödlich sie sein kann.
Trotz aller Härte nimmt sich der Film Zeit für ruhige Töne. Er konstruiert keine Dramaturgie, er konfrontiert. Und genau deshalb fühlt man sich der Situation ernsthaft ausgesetzt. Das ist kein Kino zum Zurücklehnen – das ist Kino zum Aushalten.
Oscar-Nominierungen? Möglich. Verdient wären sie. Aber wichtiger ist: Wenn ihr einen Film sehen wollt, der die rassistische Realität Amerikas nicht nur skizziert, sondern fühlbar macht – dann seid ihr hier richtig.

