Wicked 2 – zwischen Disney-Glanz und ernster Tiefe

Es begann mit einem Buch, das deutlich härter und kompromissloser erzählt ist, als es das Musical je gezeigt hat. Themen wie Drogenkonsum und Alkohol sind dort präsent – der Film greift diese Vorlage zwar auf, verwandelt sie aber in eine fast schon Disney-hafte Variante der Geschichte.
Die Story selbst ist solide und schwankt zwischen leichtfüßigem Erzählen und ernsten Momenten. Gewalt wird stark reduziert, Tote gibt es keine. Der große Kampf zwischen Alphaba und Glinda wirkt dadurch eher wie eine Parodie – witzig, aber nicht wirklich bedrohlich.
Musikalisch bewegt sich der Film auf hohem Niveau: Die Gesangsleistungen sind fantastisch und technisch brillant. Was mir jedoch fehlt, ist ein Song, der mir die Seele herausreißt – wie im ersten Teil. Das letzte Lied kommt nah heran, erreicht aber nicht ganz dieselbe emotionale Wucht.
Chaplin lässt grüßen
Ein echtes Highlight ist die kleine, aber sehr deutliche Anspielung auf Chaplins Der große Diktator. Dort spielt Adenoid Hynkel kindlich mit dem Globus, bis er platzt – ein Bild für Größenwahn, Illusion und das unausweichliche Scheitern seiner Herrschaft.
Wicked 2 greift dieses Symbol clever auf: Der Zauberer von Oz, entlarvt als faschistischer Herrscher, hält seine Macht durch Propaganda und Lügen zusammen. Doch auch hier platzt die Illusion – der Mond zerbricht, Elphaba deckt seine Geheimnisse auf, und die Fassade fällt in sich zusammen.
Damit schlägt der Film eine direkte Brücke zwischen Chaplins Parodie und der Figur des Zauberers. Wer genau hinsieht, erkennt: Oz ist nicht nur Märchenland, sondern Spiegel politischer Unterdrückung – und die Szene macht das mit einem Augenzwinkern und einer klaren Botschaft sichtbar.
Fazit
Insgesamt ist Wicked 2 definitiv sehenswert. Das Schwanken zwischen kindlicher Leichtigkeit und ernster Dramatik erzeugt zwar einen kleinen Bruch in der Erzählung, doch die ernsten Passagen machen den Film großartig. Schauspielerisch sprühen die Funken – gerade zwischen Alphaba und Glinda spürt man die Freundschaft trotz aller Gegensätze.
Am Ende bleibt dennoch der Eindruck: Der Film ist stark, aber nicht ganz so überwältigend wie der erste Teil.

