Alex Cross Season 2 Review: Moral ist der wahre Endgegner

In der zweiten Staffel der AmazonâSerie Cross (2026) jagt Alex Cross einen prĂ€zise agierenden Serienmörder, der korrupte MilliardĂ€re in Washington D.C. ins Visier nimmt. Parallel unterstĂŒtzt er den bedrohten Unternehmer Lance Durand (Matthew Lillard), wĂ€hrend er und Kayla Craig gegen eine gefĂ€hrliche Sekte ermitteln. John Sampson verfolgt derweil eine eigene Spur, die die Handlung auf unerwartete Weise erweitert.
Ton & Struktur
Season 1 lebte von einem persönlichen, fast schon klaustrophobischen PsychoâThrillerâTon. Diese IntensitĂ€t dauerhaft zu halten, war absehbar schwierig â und doch gelingt der Serie ein respektabler Balanceakt. Auch wenn Season 2 fĂŒr mich eine leichte Abwertung bedeutet, bewegen wir uns hier klar im Bereich âMeckern auf hohem Niveauâ.
StĂ€rken und BrĂŒche
Der neue Antagonist ist prĂ€zise gezeichnet, und Alex Cross wirkt auf seinem beruflichen Höhepunkt. Alles lĂ€uft fĂŒr ihn â vielleicht sogar zu gut. Was diesmal fehlt, ist die persönliche Verflechtung zwischen Held und Gegenspieler, die Season 1 so stark gemacht hat. Dadurch fallen kleine PacingâEinbrĂŒche stĂ€rker auf; in der ersten Staffel wurden solche Momente durch die emotionale Wucht einfach ĂŒberdeckt.
Eine echte HighlightâFolge bleibt aus, doch ein spĂ€terer Plottwist rund um den Antagonisten hat mich dann doch erwischt und die Spannung wieder angezogen.
Moralische Grauzonen
Besonders interessant bleibt die moralische Ambivalenz: Gut und Böse sind nicht klar getrennt. Die vermeintlichen Opfer haben selbst Schuld auf sich geladen â und die Frage, ob Selbstjustiz âgerechtfertigtâ sein kann oder ob Gerichte das regeln mĂŒssen, ist ein spannender Kernkonflikt. Gerade in einem Rechtssystem, das in den USA nachweislich eher Wohlhabende schĂŒtzt, bekommt das Thema eine unangenehme AktualitĂ€t.
Fazit
Alex Cross bleibt eine atmosphÀrisch dichte Serie, die ihre Figuren nicht in einfache Kategorien presst. Season 2 erreicht nicht ganz die emotionale Schlagkraft des VorgÀngers, bietet aber genug Spannung, Ambivalenz und erzÀhlerische Wendungen, um dranzubleiben.

