High Potential – Staffel 2: Persönlicher, bedrohlicher – aber nicht immer konsequent

In der zweiten Staffel von High Potential wird vieles etwas größer gedacht. Es gibt einen neuen Gegenspieler, den sogenannten Gamemaker, der Morgan und ihre Familie direkt bedroht. Diese neue Bedrohung sorgt dafür, dass sich die Fälle persönlicher und gefährlicher anfühlen als zuvor. Der übergeordnete Plot löst sich allerdings schon etwa zur Mitte der Staffel auf – das ist soweit okay, lässt aber trotzdem das Gefühl zurück, dass man daraus noch mehr hätte machen können.
Was mir grundsätzlich gut gefällt: Die Fälle wirken insgesamt emotionaler und näher an den Figuren. Das hängt stark mit dem Gamemaker-Plot zusammen, aber auch mit der generellen Ausrichtung der Staffel, die mehr Wert auf persönliche Konsequenzen legt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist weiterhin Romans bzw. Ludos Schicksal, also der Ex‑Partner und Vater der Kinder. Hier wird erneut viel aufgebaut, angedeutet und vorbereitet – allerdings passiert über den Verlauf der Staffel hinweg gefühlt sehr wenig. Gerade was die Hintergrundstorys angeht, empfinde ich Staffel 2 als etwas zu weit auseinandergezogen. Da hätte ruhig deutlich mehr passieren dürfen.
Neu eingeführt wird außerdem Willa Quinn, eine Antagonistin, die stark an den „Raucher“ aus Akte X erinnert. Lange bleibt völlig offen, auf wessen Seite sie eigentlich steht – gut, böse oder irgendetwas dazwischen. Diese Unklarheit funktioniert zunächst sehr gut und sorgt für zusätzliche Spannung im Hintergrund. Gegen Ende der Staffel kommt dann sogar noch ein kleiner zusätzlicher Mini‑Plot dazu, der eindeutig als Übergang in eine mögliche dritte Staffel gedacht ist. Interessant, aber auch hier wieder recht spät platziert.
Die Beziehung zwischen Morgan und Karadec wird weiter ausgebaut, bekommt aber durch neue Umstände eine andere Dynamik. Karadec hat nun eine neue Freundin: Lucia, die ab den späteren Episoden eine wichtige Rolle spielt. Diese Beziehung verändert Karadecs Rolle innerhalb des Teams und wirkt sich auch indirekt auf sein Verhältnis zu Morgan aus. Zum Ende der Staffel gibt es hier noch einen kleinen Plot‑Twist, den ich bewusst nicht spoilern möchte, der aber gut funktioniert.
Zusätzlich stößt mit Captain Nick (Jesse) Wagner ein neuer Vorgesetzter zum Team. Er bringt ordentlich Spannung ins Revier, ist charismatisch, aber auch nicht ganz durchschaubar. Gerade in der letzten Folge verdichten sich seine Storylines stark, und es kommt zu mehreren Umbrüchen, die sich zuvor schon leise angedeutet haben.
Mit der Dynamik zwischen Morgan und Wagner bin ich persönlich allerdings noch nicht so richtig warm geworden. Die Chemie überzeugt mich aktuell nicht komplett. Ich glaube tatsächlich, dass eine andere Konstellation – zum Beispiel mit Karadec – spannender wäre. Dass sich in diese Richtung langfristig vielleicht noch etwas entwickeln könnte, deutet die Serie zumindest ganz vorsichtig an.
Die einzelnen Fälle bleiben weiterhin interessant, könnten aber ebenfalls mehr aus ihrem Potenzial machen. Besonders vermisse ich öfter die Momente, in denen Morgans besondere Art zu denken stärker visualisiert wird – dieses Daten‑Übereinanderlegen, Muster erkennen und kombinieren. Ich weiß, dass genau diese Szenen aufwendig sind, aber sie machen High Potential für mich aus und kommen in Staffel 2 etwas zu kurz.
Fazit
Unterm Strich bleibt High Potential auch in Staffel 2 charmant, spannend, witzig und absolut sehenswert. Der stärkere Fokus auf persönliche Bedrohungen und langfristige Spuren macht die Serie in Teilen sogar interessanter. Gleichzeitig bleibt das Gefühl, dass einige Hintergrundgeschichten zu langsam vorankommen.
Trotzdem: Dranbleiben lohnt sich auf jeden Fall. Morgan ist nach wie vor eine großartige Protagonistin, und die Serie erzählt ihre Geschichten weiterhin in einer sehr eigenen, sympathischen Sprache. Wenn Staffel 3 die offenen Fäden besser zusammenführt, steckt hier noch sehr viel Potenzial drin.
