Ein Riss im System – aber ein guter: The Rip im Check

Nach einer Reihe eher schwacher Netflix-Produktionen landet mit The Rip endlich wieder ein wirklich solider Thriller auf der Plattform. Das Polizei-Drama dreht sich um einen Haufen Drogengeld, den Mord an einer Kollegin und die Frage, wem man in diesem korrupten Geflecht überhaupt noch trauen kann. Der Film entfaltet sich wie ein moderner Krimi à la Agatha Christie – der Bösewicht bleibt lange unklar, und die Auflösung setzt auf klassische Whodunit-Spannung.
Ganz ohne Netflix-typischen Glanz kommt der Film allerdings nicht aus. Trotz seiner Härte wirkt er erstaunlich alltagstauglich – ja, sogar „bügel-tauglich“. Eine bestimmte Szene hätte deutlich straffer ausfallen dürfen, denn nicht jede Erklärung muss doppelt und dreifach wiederholt werden. Mit etwas mehr Mut zur Lücke wäre hier ein richtig großer Thriller entstanden.
Das Pacing ist nicht immer optimal: Einige Passagen wirken unnötig langatmig, während andere Momente durch ihre Ruhe und punktuelle Action wiederum hervorragend funktionieren. Gerade diese Balance trägt das zentrale Thema des Films – das fragile Vertrauen innerhalb des Teams – sehr gut.
Schauspielerisch bewegt sich The Rip auf einem ähnlichen Niveau wie der Apple-TV-Film Wolfs, in dem Brad Pitt und George Clooney mit lässiger Routine und starkem Zusammenspiel überzeugen. Auch Affleck und Damon liefern hier solide Leistungen ab, ohne das Genre neu zu erfinden. Doch das müssen sie auch nicht: The Rip ist handwerklich sauber, atmosphärisch dicht und genau das Richtige für einen spannenden Filmabend.
Fazit: Wer Lust auf ein solides Polizei-Drama mit Twist hat, ist hier bestens aufgehoben. Der finale Plottwist wirkt zwar etwas konstruiert, schmälert den insgesamt guten Eindruck aber nur geringfügig.

