Avo Talks

Wo Popkultur Tiefgang bekommt und Verspätung zum Stilmittel wird.

Avo Talks

Avo Talks

Wo Popkultur Tiefgang bekommt und Verspätung zum Stilmittel wird.

Avo Talks
Serien

Avatar: Der Herr der Elemente Season 2 (Netflix) – Mehr Freundschaft, weniger Magie?

Ach ja, Avatar. Eines dieser Themen, bei denen ich von Anfang an mit einem gewaltigen Rucksack an Erwartungen reingehe. Die Animationsserie gehört für mich immer noch zu den besten Serien überhaupt. Da hat es eine Live-Action-Adaption natürlich grundsätzlich schwer. Und genau deshalb sitze ich jetzt hier nach Season 2 wieder mit sehr gemischten Gefühlen.

Fangen wir direkt mit einem Punkt an, der mich tatsächlich mehr gestört hat, als ich erwartet hätte: die Synchronisation. Aktuell befinden sich viele Originalsynchronsprecher im Streik, weil sie sich nicht für KI-Aufzeichnungen vereinnahmen lassen wollen. Ehrlich gesagt kann ich das komplett nachvollziehen und unterstütze das auch. Das Problem ist nur: Für viele Figuren gibt es dadurch neue Stimmen.

Und ich merke leider, wie schwer ich mich damit tue.

Das ist gar nicht unbedingt die Schuld der neuen Sprecher. Aber bei manchen Figuren fehlt für mich einfach ein Stück der gewohnten Sympathie. Besonders bei Toph ist mir das aufgefallen. Sie wirkt zwar immer noch wie Toph, aber dieses freche, kesse und unverwechselbare Gefühl kommt bei mir nicht mehr ganz so an wie früher.

Ansonsten macht die Serie tatsächlich vieles richtig. Die Figuren funktionieren grundsätzlich gut, die wichtigsten Charakterzüge sind vorhanden und man merkt, dass hier durchaus Leute am Werk sind, die verstanden haben, warum die Vorlage so beliebt ist.

Allerdings gibt es natürlich auch wieder Änderungen gegenüber der Animationsserie. Das überrascht mittlerweile vermutlich niemanden mehr, aber ich frage mich trotzdem jedes Mal, warum Adaptionen nicht einfach nur Inhalte kürzen, sondern gleichzeitig auch noch verändern müssen. Bei Büchern kennt man das ja schon ewig. Hier wird aber nicht nur komprimiert, sondern an einigen Stellen auch umgeschrieben. Manche Änderungen funktionieren, andere fühlen sich eher unnötig an.

Ein weiterer Punkt, bei dem ich regelmäßig ins Grübeln geraten bin, sind die CGI-Effekte.

Teilweise sieht das Ganze einfach zu künstlich aus. Da gibt es Szenen, bei denen ich mir denke, dass etwas mehr echte Kulissen oder praktische Effekte vermutlich besser funktioniert hätten. Wenn man sich schon für CGI entscheidet, dann sollte sie auch überzeugen. Die technischen Möglichkeiten sind heutzutage definitiv vorhanden. Natürlich kenne ich das Budget und die Kostenverteilung der Serie nicht, aber manche Effekte wirken leider so, als wäre irgendwo der Rotstift angesetzt worden.

Was die Serie allerdings deutlich besser macht als noch zu Beginn, ist die Dynamik innerhalb der Gruppe.

Vor allem in der zweiten Hälfte merkt man, dass die Figuren langsam zusammenwachsen. Die Chemie stimmt deutlich besser als noch am Anfang der Staffel. In den ersten Folgen hatte ich teilweise noch das Gefühl, dass die Beziehungen untereinander etwas unausgegoren wirken. Später funktioniert das wesentlich besser und man glaubt den Figuren mehr, dass sie gemeinsam unterwegs sind und echte Freundschaften entstehen.

Muss man die Serie also sehen?

Hm. Jein.

Wer mit der Animationsserie komplett glücklich ist und eigentlich keine andere Version braucht, verpasst hier meiner Meinung nach nichts Lebensveränderndes. Die Vorlage bleibt weiterhin die bessere Version.

Wer die Animationsserie dagegen gar nicht kennt oder nur grob kennt und generell Spaß an Live-Action-Fantasy hat, kann durchaus einen Blick riskieren. Für diese Zuschauer fallen viele direkte Vergleiche weg und dadurch funktioniert die Serie vermutlich deutlich besser.

Das Problem mit den Stimmen bleibt für mich allerdings bestehen. Wer die bekannten Stimmen aus der ersten Staffel oder generell aus früheren Produktionen mochte, wird sich wahrscheinlich ähnlich schwer umgewöhnen können.

Und jetzt bleibt eigentlich nur die Hoffnung auf Season 3.

Gerade dort warten einige meiner absoluten Lieblingsgeschichten aus Avatar. Gleichzeitig frage ich mich ernsthaft, wie man all diese Handlungsstränge in gerade einmal acht Folgen quetschen will. Das wird sportlich. Vielleicht wird die dritte Staffel dafür bildgewaltiger. Vielleicht fließt mehr Budget in die Effekte. Vielleicht bekommt die Geschichte einfach mehr Raum zum Atmen.

Denn genau das ist aktuell mein größtes Problem mit der Serie:

Sie hat zu wenig Zeit.

Mehr Laufzeit würde den Figuren unglaublich helfen. Die Beziehungen könnten natürlicher wachsen, die Charaktere hätten mehr Gelegenheit zu glänzen und gerade Figuren wie Toph würden noch deutlich besser zur Geltung kommen.

Fazit

Season 2 ist für mich insgesamt schwächer als die erste Staffel. Gleichzeitig funktioniert die Freundschaft innerhalb der Gruppe besser als zuvor, was eigentlich ein ziemlich wichtiger Fortschritt ist. Trotzdem fehlt der Serie oft die Zeit, um ihre Figuren wirklich wirken zu lassen. Dazu kommen die für mich enttäuschende Synchronisation und schwankende CGI-Effekte.

Keine schlechte Staffel. Aber eben auch keine, die mich so begeistert zurücklässt wie das animierte Original.

Bewertung: 3.5 von 5.

Entdecke mehr von Avo Talks

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert