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Ride or Die – Zwei Freundinnen, viele Leichen und überraschend viel Herz

Eigentlich bin ich bei solchen Serien mittlerweile vorsichtig. Der Trailer und die ersten Minuten haben bei mir zunächst den Eindruck geweckt, dass mich hier eine typische Streaming-Produktion erwartet: etwas Slapstick, ein paar lockere Sprüche, viel Action und am Ende eine Geschichte, die sich über acht Folgen wie Kaugummi zieht. Zum Glück lag ich komplett daneben.

„Ride or Die“ hat mich nämlich deutlich mehr überrascht, als ich erwartet hätte. Die Serie beginnt zwar mit einem humorvollen Grundton, entwickelt sich aber schnell zu einer Mischung aus Roadtrip, Action-Thriller und Charakterdrama, die vor allem von ihren beiden Hauptfiguren lebt.

Im Mittelpunkt steht Debbie Claybourne (Octavia Spencer), die scheinbar das perfekte Leben führt. Als treue Ehefrau unterstützt sie ihren Mann David bei seiner politischen Karriere und glaubt, ihr Leben fest im Griff zu haben. Doch von einem Moment auf den anderen zerbricht diese heile Welt. David eröffnet ihr nicht nur, dass er sie verlassen will, sondern Debbie gerät plötzlich in einen Strudel aus Lügen, Verbrechen und tödlichen Geheimnissen.

Zeitgleich macht Debbie eine Entdeckung, die ihr gesamtes Weltbild auf den Kopf stellt: Ihre beste Freundin Judith Burton (Hannah Waddingham) ist nicht die unscheinbare forensische Buchhalterin, für die sie sie seit über zwanzig Jahren gehalten hat. Tatsächlich ist Judith eine internationale Elite-Auftragskillerin, die sich längst nicht mehr an die Regeln ihrer Organisation hält und dadurch selbst ins Visier gerät.

Als sich herausstellt, dass Debbies Ehemann tief in kriminelle Machenschaften verwickelt ist, unter anderem Millionen von Dollar von der Mafia gestohlen hat, überschlagen sich die Ereignisse. Plötzlich werden Debbie und Judith von kriminellen Syndikaten, dubiosen Hintermännern und verschiedenen Behörden gejagt. Die einzige Lösung: Flucht.

Was folgt, ist ein turbulenter Roadtrip quer durch Europa. Die beiden Frauen springen aus fahrenden Zügen, stehlen Autos, geraten in Schießereien und kämpfen ums nackte Überleben. Gleichzeitig versucht Debbie herauszufinden, wer ihr Mann wirklich war und warum ihr gesamtes Leben auf einem gewaltigen Lügenkonstrukt aufgebaut wurde.

Gerade dieser Aspekt hat mir besonders gut gefallen. Die Serie erzählt nicht einfach nur die nächste Agenten- oder Killergeschichte, sondern nimmt sich erstaunlich viel Zeit für ihre Figuren. Vor allem Judith wird mehr und mehr als tragische Figur dargestellt. Hinter der knallharten Auftragskillerin steckt eine Frau, die eigentlich nie ein echtes Leben führen konnte und deren gesamtes Dasein aus einer Rolle besteht. Auch Debbie entwickelt sich im Laufe der Handlung enorm weiter und wächst mit jeder Folge über sich hinaus.

Natürlich gibt es weiterhin Humor, und einige Gags sitzen wirklich gut. Insgesamt ist die Serie aber deutlich tiefgründiger, als man zunächst vermuten würde. Statt reiner Comedy bekommt man eine Geschichte über Freundschaft, Vertrauen, Verrat und die Frage, wer man eigentlich ist, wenn plötzlich alle Masken fallen.

Dazu kommt ein durchgehend hohes Tempo mit einigen wirklich starken Actionszenen. Besonders Hannah Waddingham, die viele vermutlich noch aus Ted Lasso kennen, überzeugt hier in einer komplett anderen Rolle. Ihr Zusammenspiel mit Octavia Spencer trägt die gesamte Serie und macht die ungewöhnliche Freundschaft der beiden jederzeit glaubwürdig.

Für mich war „Ride or Die“ deshalb eine positive Überraschung. Wer eine klassische Buddy-Cop-Serie erwartet, bekommt zwar einige vertraute Elemente, aber deutlich mehr Tiefgang als gedacht. Die Mischung aus Action, Drama, Roadmovie und Freundschaftsgeschichte funktioniert erstaunlich gut und sorgt dafür, dass man die acht Folgen sehr schnell durchschaut.

Ich würde mich jedenfalls über eine zweite Staffel freuen. Wer Lust auf eine etwas andere Agenten- und Profikiller-Geschichte hat, bei der nicht die Action, sondern vor allem die Figuren im Mittelpunkt stehen, sollte dieser Serie definitiv eine Chance geben.

Bewertung: 4 von 5.

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