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Serien

Spider-Man Noir: Nicolas Cage liefert die vielleicht beste Marvel-Serie der letzten Jahre ab

Manchmal kommt eine Serie daher und überrascht einen komplett. Genau das ist bei Spider-Man Noir der Fall. Die neue Realverfilmung aus dem Sony-Marvel-Universum auf Amazon Prime ist für mich schon jetzt eine der besten Comicserien der letzten Jahre.

Dabei wagt die Serie etwas, das man heute nur noch selten sieht: Sie wurde komplett in Schwarz-Weiß gedreht und kann wahlweise auch in einer kolorierten Fassung angesehen werden. Für mich ist aber ganz klar die originale Schwarz-Weiß-Version die richtige Wahl. Sie verleiht der Serie eine unglaublich dichte Atmosphäre und fühlt sich an wie eine Mischung aus klassischem Gangsterfilm, Film Noir und düsterem Superhelden-Epos.

Und mittendrin: Nicolas Cage.

Cage spielt Ben Reilly alias „The Spider“ mit einer solchen Präsenz, dass man von der ersten Minute an gefesselt ist. Seine trockenen Kommentare, sein perfektes Overacting und diese Mischung aus Zynismus und Melancholie passen einfach wie die Faust aufs Auge. Die Rolle wirkt, als hätte man sie ihm direkt auf den Leib geschrieben. Wer seine Stimme bereits in Spider-Man: Into the Spider-Verse mochte, wird ihn hier lieben.

Die Geschichte

Die Handlung versetzt uns ins New York der 1930er-Jahre während der Weltwirtschaftskrise. Statt einer bunten Superhelden-Geschichte bekommen wir einen knallharten Detektiv-Krimi serviert.

Ben Reilly war einst als maskierter Held „Die Spinne“ bekannt. Doch nach dem Verlust seiner großen Liebe hat er seine Maske abgelegt und arbeitet mittlerweile als abgehalfterter Privatdetektiv. Sein Alltag besteht aus offenen Rechnungen, zu wenig Aufträgen und jeder Menge Selbstzweifeln.

Als die geheimnisvolle Barsängerin Cat Hardy ihn mit einem scheinbar gewöhnlichen Fall beauftragt, gerät Reilly immer tiefer in die dunklen Abgründe der New Yorker Unterwelt. Plötzlich stehen Gangsterbosse, korrupte Mächtige und sogar übernatürliche Bedrohungen auf seinem Weg. Um zu überleben, muss er sich seiner Vergangenheit stellen und erneut auf seine längst aufgegebenen Spinnenkräfte zurückgreifen.

Großartige Figuren

Neben Cage überzeugt auch der restliche Cast auf ganzer Linie.

Brendan Gleeson gibt den eiskalten Gangsterboss Finbar „Silvermane“ Byrne, der als Strippenzieher der Unterwelt ständig im Hintergrund die Fäden zieht.

Li Jun Li spielt die geheimnisvolle Cat Hardy, eine klassische Femme fatale, bei der man nie genau weiß, auf welcher Seite sie eigentlich steht.

Als Journalist Robbie Robertson ist Lamorne Morris die perfekte Ergänzung zu Reillys Ermittlungen und sorgt immer wieder dafür, dass neue Hinweise ans Licht kommen.

Zu den stärksten Gegenspielern gehören Flint Marko alias Sandman, gespielt von Jack Huston, sowie Electro, die beide hervorragend in die düstere Noir-Welt integriert wurden. Besonders Sandman wirkt in diesem Setting noch bedrohlicher als in früheren Verfilmungen.

Dazu gesellen sich weitere bekannte Marvel-Schurken wie Tombstone, die das ohnehin schon gefährliche New York noch ein Stück finsterer machen.

Liebe zum Detail

Was mich besonders begeistert hat, sind die unzähligen Anspielungen auf Comics, Filme und die Marvel-Geschichte.

Schon die Entscheidung, den Helden Ben Reilly zu nennen, ist ein cleverer Verweis auf den berühmten Klon von Peter Parker aus den Comics. Auch das berühmte Spider-Man-Motto wird auf den Kopf gestellt. Statt „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“ heißt es hier sinngemäß: „Mit keiner Kraft kommt keine Verantwortung.“ Ein cleverer und gleichzeitig tragischer Moment.

Fans werden außerdem jede Menge Easter Eggs entdecken. Überall in der Stadt finden sich Hinweise auf berühmte Comic-Künstler, während einzelne Szenen direkte Hommagen an die Spider-Man-Noir-Comics darstellen.

Besonders witzig ist Reillys auffällige Vorliebe für Hotdogs. Das ist ein versteckter Verweis auf Spider-Ham aus Into the Spider-Verse.

Ein weiteres Highlight ist eine Szene mit Cat Hardy, die eine legendäre Sequenz aus Superman II nachstellt. Das sorgt gerade deshalb für ein Grinsen, weil Nicolas Cage bekanntlich einer der größten Superman-Fans überhaupt ist und sogar einmal für den nie realisierten Film Superman Lives vorgesehen war.

Eine Liebeserklärung an Film Noir

Die Serie ist nicht nur eine Comicverfilmung, sondern gleichzeitig eine echte Hommage an das klassische Hollywood-Kino. Viele Kameraeinstellungen erinnern an berühmte Noir-Filme der 40er- und 50er-Jahre. Schatten, Rauch, düstere Gassen und regennasse Straßen bestimmen das Bild.

Man merkt in jeder einzelnen Folge, wie viel Herzblut die Macher in dieses Projekt gesteckt haben.

Fazit

Spider-Man Noir ist für mich ein absolutes Highlight. Atmosphärisch, spannend, hervorragend besetzt und optisch ein echter Hingucker. Nicolas Cage liefert eine seiner besten Rollen der letzten Jahre ab und trägt die Serie mit einer Leichtigkeit, die beeindruckt.

Die Mischung aus Detektivgeschichte, Gangsterfilm und Superhelden-Abenteuer funktioniert überraschend hervorragend. Dazu kommen starke Bösewichte wie Sandman und Electro, zahlreiche Easter Eggs und eine Stimmung, die man so im Marvel-Bereich bisher kaum gesehen hat.

Ich bin jetzt schon gespannt, ob Nicolas Cage irgendwann auch im MCU auftauchen darf. Die Vorstellung, dass sein Spider-Man Noir eines Tages durch das Multiversum in einem großen Marvel-Film landet, hätte definitiv einen enormen Spaßfaktor.

Von mir gibt es eine klare Empfehlung für alle Marvel-Fans, Film-Noir-Liebhaber und natürlich für jeden, der Nicolas Cage einfach gerne in Höchstform erlebt.

Bewertung: 4.5 von 5.

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