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Evil Dead Rise (2023) – Tanz der Teufel zieht ins Hochhaus

Manchmal gibt es Filmreihen, bei denen man glaubt, schon alles gesehen zu haben. Verlassene Waldhütte, ahnungslose Menschen, das Buch der Toten und jede Menge dämonischer Wahnsinn. Mit Evil Dead Rise aus dem Jahr 2023 schafft es die Reihe aber tatsächlich, frischen Wind in das bekannte Konzept zu bringen. Dieses Mal geht es nämlich raus aus der legendären Waldhütte und mitten hinein in ein heruntergekommenes Hochhaus in Los Angeles.

Und erstaunlicherweise funktioniert das sogar ziemlich gut.

Das Grauen beginnt unter dem Hochhaus

Die schwangere Gitarrentechnikerin Beth besucht ihre entfremdete Schwester Ellie, die ihre drei Kinder Danny, Bridget und Kassie allein großzieht. Das Familienwiedersehen verläuft zunächst recht unspektakulär, bis ein schweres Erdbeben das Gebäude erschüttert.

Durch das Beben wird tief unter dem Haus eine geheime Kammer freigelegt. Natürlich dauert es nicht lange, bis Ellies Sohn Danny seine Neugier nicht mehr zügeln kann und dort nachforscht. Zwischen religiösen Artefakten, Totenschädeln, alten Schallplatten und allerlei merkwürdigen Fundstücken entdeckt er ein geheimnisvolles Buch aus Menschenhaut.

Für Fans der Reihe ist natürlich sofort klar, worum es sich handelt: das berüchtigte Naturom Demonto, besser bekannt als das Buch der Toten.

Besonders nett fand ich dabei die Art und Weise, wie das Buch geöffnet wird. Die mechanischen Zähne am Einband sorgen dafür, dass Danny sich verletzt und sein Blut das Buch sozusagen erweckt. Kurz darauf wird eine der gefundenen Schallplatten abgespielt. Ein Priester spricht darauf Beschwörungsformeln und genau in diesem Moment wird das Böse wieder einmal auf die Welt losgelassen.

Wenn Mama plötzlich zum Dämon wird

Wie man es aus der Reihe kennt, dauert es nicht lange, bis die ersten Menschen besessen werden. Dieses Mal trifft es Ellies Mutterrolle besonders hart. Aus der liebevollen, wenn auch überforderten Mutter wird eine brutale Deadite, die ihre eigene Familie jagt.

Und genau hier liegt für mich eine der größten Stärken des Films.

Anstatt ständig neue Figuren einzuführen, konzentriert sich die Handlung auf eine kleine Familie. Dadurch bekommen die Angriffe und der Horror eine deutlich persönlichere Note. Wenn die eigene Mutter plötzlich zur größten Bedrohung wird, wirkt das wesentlich unangenehmer als irgendwelche zufälligen Opfer in einer Hütte im Wald.

Alyssa Sutherland liefert als besessene Ellie eine wirklich beeindruckende Performance ab. Sie wechselt mühelos zwischen Mutterfigur und absolutem Albtraum. Lily Sullivan als Beth übernimmt dabei die Rolle der Überlebenden, die sich dem dämonischen Chaos entgegenstellen muss.

Endlich wird die Mythologie wieder etwas erklärt

Was mir persönlich besonders gefallen hat: Der Film nimmt sich tatsächlich etwas Zeit, die Hintergründe des Necronomicons und der Dämonen zu beleuchten.

Durch die Schallplattenaufnahmen erfährt man mehr darüber, wie das Buch funktioniert und was frühere Besitzer damit erlebt haben. Das ist kein riesiger Lore-Block, aber genug, um das Ganze etwas greifbarer zu machen.

Gerade weil viele moderne Horrorfilme oft einfach nur schnell das Monster präsentieren, fand ich es angenehm, dass hier die Geschichte hinter dem Bösen zumindest teilweise erklärt wird.

Gore-Faktor? Ja!

Wer einen Evil-Dead-Film schaut, erwartet natürlich keine Zurückhaltung bei den Gewaltdarstellungen.

Und genau das liefert Evil Dead Rise.

Der Film geizt nicht mit Blut, Körperhorror und kreativen Splatter-Effekten. Gleichzeitig verliert er dabei nie komplett das Tempo. Die Handlung bleibt ständig in Bewegung und entwickelt sich zu einem regelrechten Überlebenskampf innerhalb des verbarrikadierten Hochhauses.

Für Freunde von Gore und Slasher-Elementen wird hier definitiv einiges geboten. Ich persönlich hatte jedenfalls meinen Spaß damit.

Der Anfang ist eigentlich das Ende

Ein besonders schöner Kniff ist die Eröffnungssequenz.

Zu Beginn sieht man eine scheinbar eigenständige Szene an einer abgelegenen Seehütte mit den Figuren Teresa und Caleb. Zunächst wirkt das wie ein klassischer Evil-Dead-Prolog.

Am Ende des Films stellt sich jedoch heraus, dass diese Szene zeitlich nach den Ereignissen im Hochhaus spielt. Die Introsequenz ist also gleichzeitig das Ende der Geschichte.

Dadurch bekommt der Film noch einmal eine interessante Wendung und macht gleichzeitig klar, dass das Böse eben nicht einfach verschwunden ist.

Und genau das sorgt für das typische offene Ende der Reihe.

Spannende Details für Fans

Natürlich hat Regisseur Lee Cronin auch einige nette Easter Eggs eingebaut.

So hat Bruce Campbell, der legendäre Ash-Williams-Darsteller, einen versteckten Gastauftritt. Man sieht ihn zwar nie auf der Leinwand, aber seine Stimme ist auf einer der alten Schallplatten zu hören. Dort ruft er den Satz:

„Es wird nicht grundlos das Buch der Toten genannt!“

Auch diverse Horror-Hommagen sind zu entdecken. Die berühmte Blut-Fahrstuhl-Szene erinnert deutlich an Kubricks The Shining. Außerdem hört man mehrfach den legendären Ruf „Dead by Dawn“, den Fans noch aus Tanz der Teufel II kennen.

Selbst die Kettensäge hat eine versteckte Erklärung. Einer der Bewohner des Hauses arbeitet für einen Baumpflegedienst, wodurch die sonst etwas zufällige Anwesenheit der Motorsäge zumindest logisch begründet wird.

Das Geheimnis der drei Bücher (Die Verbindung zur Lore)

In Armee der Finsternis (1300 n. Chr.) findet Ash auf einem Friedhof drei verschiedene Exemplare des Necronomicon. Regisseur Lee Cronin bestätigte, dass das Buch in Evil Dead Rise das dritte und letzte dieser drei Bücher ist. [1, 2]

  • Buch 1: Gehört zu Ash aus den Originalfilmen.
  • Buch 2: Das mit Stichen versehene Buch aus dem Remake von 2013.
  • Buch 3: Das Buch in Evil Dead Rise, welches diesmal mechanische Zähne besitzt.

Mein Fazit

Evil Dead Rise schafft etwas, das vielen langlebigen Horror-Reihen nicht gelingt: Er bleibt seinem Ursprung treu und probiert trotzdem etwas Neues aus.

Der Umzug vom Wald in ein Hochhaus funktioniert überraschend gut. Die Geschichte bleibt spannend, die Atmosphäre ist bedrückend, der Gore-Faktor stimmt und die Mythologie der Reihe wird sinnvoll erweitert.

Besonders gefallen haben mir die familiäre Komponente, die Erklärungen rund um das Buch der Toten und die vielen kleinen Verweise auf ältere Filme der Reihe.

Wer mit Splatter, Dämonen und reichlich Kunstblut etwas anfangen kann, bekommt hier genau das, was man von einem Evil-Dead-Film erwartet.

Ein herrlich brutaler Horrortrip, der zeigt, dass man für dämonischen Wahnsinn nicht zwingend eine Waldhütte braucht. Manchmal reicht auch ein kaputtes Hochhaus in Los Angeles.

Bewertung: 3.5 von 5.

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