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Filme

Harry Potter und der Stein der Weisen: Zurück nach Hogwarts und plötzlich sieht alles anders aus

Manchmal braucht es einfach Zeit.

Wenn man, so wie ich, an einem Wochenende alle acht Harry-Potter-Filme am Stück schaut, verändert sich plötzlich der Blick auf die einzelnen Filme. Das war tatsächlich eine der spannendsten Erfahrungen dieser kleinen Marathon-Aktion. Filme, die ich früher ganz anders wahrgenommen habe, wirkten plötzlich stimmiger. Manche Probleme, die ich einst gesehen habe, waren auf einmal gar keine mehr.

Und deshalb starte ich meine neue Harry-Potter-Reihe auch ganz bewusst mit Harry Potter und der Stein der Weisen.

Als ich den Film vor vielen Jahren zum ersten Mal gesehen habe, war mein Kopf noch randvoll mit den Büchern. Jede Szene wurde automatisch mit der Romanvorlage verglichen. Jede Abweichung fiel auf. Dazu kam das Gefühl, dass der Film ständig neue Figuren vorstellt, ohne richtig zur Ruhe zu kommen. Hier kommt Harry, dort Ron, da Hermine, dann Snape, McGonagall, Hagrid und gefühlt alle anderen wichtigen Personen des Universums gleich hinterher.

Damals dachte ich: Das ist doch viel zu hektisch.

Heute sehe ich das komplett anders.

Wenn man die Bücher etwas aus dem Fokus nimmt und den Film als das betrachtet, was er sein möchte, nämlich den Einstieg in eine völlig neue Welt, dann funktioniert das überraschend gut. Der Schnitt wirkt plötzlich sinnvoll. Die Einführung der Figuren fühlt sich natürlich an. Und vor allem merkt man, wie sorgfältig hier die Grundlage für alles gelegt wird, was später noch kommen soll.

Genau deshalb hat mich dieser erneute Blick auf den Film so positiv überrascht.

Natürlich merkt man an vielen Stellen, dass es sich um einen Kinderfilm handelt. Das ist überhaupt nicht negativ gemeint. Ganz im Gegenteil. Harry Potter und der Stein der Weisen ist extrem einsteigerfreundlich. Die Welt wird verständlich erklärt, die Konflikte sind klar und die Magie steht noch im Mittelpunkt des Staunens.

Bei den jungen Darstellern merkt man natürlich, dass sie noch ganz am Anfang ihrer Schauspielkarriere stehen. Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Emma Watson machen ihre Sache gut und erfüllen genau die Aufgabe, die der Film von ihnen verlangt.

Die eigentlichen Showstealer sind für mich jedoch die Erwachsenen.

Maggie Smith als Professor McGonagall ist einfach perfekt besetzt. Richard Harris verleiht Dumbledore eine ruhige, warme Ausstrahlung. Und dann wäre da natürlich noch Alan Rickman als Severus Snape.

Und ganz ehrlich?

Über Snape kann ich inzwischen kaum noch sprechen, ohne eine kleine Gänsehaut zu bekommen.

Wer alle acht Filme kennt, wird wissen, was ich meine.

Schon beim ersten Film hatte J.K. Rowling Alan Rickman verraten, wie sich die Geschichte dieser Figur entwickeln würde. Ein Wissen, das damals fast niemand sonst hatte. Und wenn man heute mit diesem Hintergrundwissen an den ersten Film zurückkehrt, bekommt jede Szene mit Snape eine völlig neue Bedeutung. Jeder Blick, jede kleine Reaktion und jede scheinbar nebensächliche Geste kann plötzlich ganz anders interpretiert werden.

Das ist schlicht meisterhaft.

Aus Spoilergründen werde ich hier natürlich nicht näher darauf eingehen. Aber wer die komplette Reihe kennt, dürfte verstehen, warum Alan Rickmans Darstellung für mich heute noch beeindruckender wirkt als damals.

Interessant war für mich außerdem die sogenannte Uncut-Fassung, die wir dieses Mal sehen konnten. Mittlerweile ist der Film ab sechs Jahren freigegeben. Früher gab es jedoch einige Schnitte für jüngere Zuschauer. Unter anderem durfte der Kopflose Nick seinen Kopf nicht vollständig hängen lassen.

Nach Gesprächen mit anderen Fans musste ich im Nachhinein allerdings schmunzeln. Denn wenn ich ehrlich bin, war die Szene mit Professor Quirrell und seinem zweiten Gesicht auf dem Hinterkopf als Kind deutlich verstörender als alles, was der arme Nick jemals angestellt hat. Nur konnte man diese Szene natürlich nicht entfernen, weil sie für die Handlung unverzichtbar ist.

Manchmal hat die Logik der Altersfreigaben schon ihre ganz eigenen Regeln.

Unterm Strich bleibt für mich ein fantastischer Auftakt einer Reihe, die Generationen geprägt hat.

Ja, später kommen noch Filme, die erzählerisch komplexer sind. Manche Geschichten sind düsterer, spannender oder emotional stärker. Darüber werden wir in den nächsten Kritiken sicherlich noch sprechen.

Aber als Einstieg in diese Welt macht Harry Potter und der Stein der Weisen nahezu alles richtig.

Vor allem schafft der Film etwas, das nur wenige Franchises hinbekommen haben: Er erzählt nicht einfach die Abenteuer von Figuren, die für immer gleich bleiben. Wir begleiten Kinder beim Erwachsenwerden. Von den ersten unsicheren Schritten in Hogwarts bis hinein in die Welt der Erwachsenen.

Freundschaft, Liebe, Verlust, Verantwortung und das Erwachsenwerden selbst stehen im Zentrum dieser Reise.

Und genau deshalb funktioniert Harry Potter noch heute.

Wer sollte den Film sehen?

Alle.

Zumindest alle, die Geschichten über Zauberer, Freundschaft, Mut und das Erwachsenwerden mögen. Wer sich auf diese magische Welt einlässt, bekommt nicht nur einen tollen Fantasyfilm, sondern den Beginn einer Reise, die viele Zuschauer über Jahre begleitet hat.

Ein wunderbarer Auftakt, der mit zunehmendem Alter und dem Wissen um die gesamte Geschichte sogar noch gewinnt. Nicht der beste Film der Reihe, aber einer der wichtigsten und ohne Zweifel einer der magischsten.

Bewertung: 4 von 5.

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