Star Trek: Strange New Worlds Staffel 4 – Lichtblicke in einer überraschend schwachen Season

Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ich das mal über Star Trek: Strange New Worlds schreiben würde, aber Staffel 4 hat mich deutlich weniger überzeugt als die vorherigen Staffeln.
Dabei erkennt man schon sehr klar, was die Macher erreichen wollten. Die Serie orientiert sich stärker am klassischen Star-Trek-Prinzip: eine Geschichte pro Woche, ein Abenteuer pro Episode. Das erinnert natürlich an die alten Serien, wo nicht jede Folge Teil einer riesigen übergreifenden Handlung sein musste. Grundsätzlich habe ich damit auch kein Problem.
Mein Eindruck ist allerdings, dass dabei die große zusammenhängende Story weitgehend verloren gegangen ist. Es gibt zwar kleinere Handlungsstränge und Figurenentwicklungen, die sich durch die Staffel ziehen, aber eine wirklich starke übergreifende Geschichte habe ich vermisst.
Das größte Problem: Viele Episoden wirken gezogen. Nicht schlecht, aber eben auch nicht besonders erinnerungswürdig. Nach dem Abspann blieb bei mir oft wenig hängen. Und gerade von einer Serie, die in den letzten Jahren gezeigt hat, wie gut modernes Star Trek sein kann, erwarte ich da einfach mehr.
Das absolute Highlight: Der Griffin-Vorfall
Wenn ich eine Folge nennen müsste, die diese Staffel allein schon sehenswert macht, dann wäre das ganz klar „Der Griffin-Vorfall“.
Diese Geisterschiff- beziehungsweise Horror-Episode war für mich das Beste, was Staffel 4 zu bieten hatte. Die Atmosphäre war dicht, die Spannung funktionierte von Anfang bis Ende und die Folge hat genau das geschafft, was gute Science-Fiction-Horror-Geschichten schaffen sollen: Sie erzeugt echte Unsicherheit und hält einen bis zum Schluss bei der Stange.
Für mich ganz klar die Nummer 1 der Staffel.
Die Enterprise von morgen
Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die finale Episode „Die Enterprise von morgen“.
Hier wurden eine ganze Reihe spannender Ideen miteinander verknüpft: Schwarze Löcher, theoretische Weiße Löcher, unterschiedliche Zeitebenen sowie die Geschichte rund um Scotty und Uhura.
Besonders interessant fand ich dabei den Aspekt mit dem Weißen Loch. Während Schwarze Löcher längst als reale astronomische Objekte nachgewiesen sind, existieren Weiße Löcher bisher nur als mathematische Hypothese. Vereinfacht gesagt wären sie das genaue Gegenteil eines Schwarzen Lochs: Materie könnte herauskommen, aber nichts hineingelangen.
Natürlich nimmt sich die Serie dabei einige kreative Freiheiten, aber genau das gehört zu Star Trek schließlich auch dazu. Die Mischung aus Wissenschaft, Spekulation und Charakterentwicklung hat für mich hier überraschend gut funktioniert.
Zwischen Science-Fiction und echter Wissenschaft: Schwarze und Weiße Löcher
Besonders spannend fand ich an „Die Enterprise von morgen“, dass die Folge mit Konzepten spielt, die tatsächlich aus der Physik stammen.
Schwarze Löcher sind heute wissenschaftlich nachgewiesene Realität. Dabei handelt es sich um Bereiche im Universum, deren Gravitation so stark ist, dass selbst Licht ihnen nicht mehr entkommen kann. Sie entstehen beispielsweise beim Kollaps sehr massereicher Sterne und gehören mittlerweile zu den am besten untersuchten exotischen Objekten der modernen Astronomie.
Weiße Löcher dagegen existieren bislang nur auf dem Papier. Vereinfacht gesagt wären sie das Gegenteil eines Schwarzen Lochs. Während in ein Schwarzes Loch Materie hineinfallen kann, aber nichts wieder herauskommt, würde ein Weißes Loch Materie und Energie ausstoßen, ohne dass irgendetwas hineingelangen könnte.
Das Faszinierende daran: Weiße Löcher sind keine reine Erfindung von Science-Fiction-Autoren. Sie ergeben sich tatsächlich als mathematische Lösung aus Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie. Das Problem ist nur, dass bislang niemand ein Weißes Loch beobachtet hat. Viele Physiker gehen sogar davon aus, dass solche Objekte instabil wären und in der Realität vermutlich gar nicht existieren können.
Genau an dieser Schnittstelle zwischen echter Wissenschaft und spekulativer Theorie bewegt sich die Episode. Natürlich nimmt sich Star Trek dabei einige Freiheiten, aber das gehört seit den Anfängen der Reihe dazu. Gute Science-Fiction war schon immer dann am stärksten, wenn sie reale wissenschaftliche Ideen nimmt und die Frage stellt: „Was wäre, wenn?“
Und genau deshalb hat die Folge für mich so gut funktioniert. Sie verbindet interessante physikalische Konzepte mit einer emotionalen Geschichte rund um Scotty, Uhura und die verschiedenen Zeitebenen. Das Ergebnis ist eine der wenigen Episoden der Staffel, die mir auch Wochen später noch im Gedächtnis geblieben ist.
Die Muppet-Folge blieb hinter ihren Möglichkeiten
Von „Stufe 5: Transporterunfall“, der berühmten Puppenfolge der Staffel, hatte ich mir deutlich mehr erhofft.
Die Grundidee war großartig. Star-Trek-Figuren als Puppen? Das hätte absolutes Kultpotenzial gehabt.
Letztendlich hatte ich aber das Gefühl, dass die Episode ihre eigene Prämisse nicht konsequent genug ausnutzt. Die Aussage lautete im Grunde: „Wir sind jetzt Puppen und können bestimmte Dinge nicht mehr machen.“ Da wäre deutlich mehr drin gewesen. Mehr Chaos, mehr Selbstironie, mehr echtes Muppet-Feeling.
Schlecht war die Folge nicht, aber gemessen an ihrem Potenzial blieb sie für mich hinter den Erwartungen zurück.
Entspannt, berauscht und ziemlich unterhaltsam
Eine weitere Episode, die ich durchaus mochte, war die Folge rund um den Außeneinsatz auf einem Planeten, dessen Atmosphäre bei der Crew eine stark berauschende Wirkung auslöst.
Die Prämisse ist herrlich absurd: Die Besatzung wird auf den Planeten gebeamt, atmet die Luft ein und ist plötzlich völlig entspannt und locker.
Das sorgte für einige sehr witzige Momente und aufgelockerte Charakterszenen. Für mich kein absolutes Highlight wie „Der Griffin-Vorfall“ oder „Die Enterprise von morgen“, aber definitiv eine der besseren Episoden der Staffel.
Mein Fazit
Sollte man Staffel 4 von Star Trek: Strange New Worlds ansehen?
Ja, auf jeden Fall.
Selbst eine schwächere Staffel von Strange New Worlds liegt für mich immer noch über vielen anderen aktuellen Science-Fiction-Serien. Allerdings hat die vierte Staffel gezeigt, dass selbst diese Serie nicht jeden Treffer landen kann.
Bis auf einige starke Ausnahmen wie „Der Griffin-Vorfall“ und „Die Enterprise von morgen“ ist bei mir leider wenig nachhaltig hängen geblieben. Viele Geschichten wirken zu langatmig, manche Ideen werden nicht konsequent genug ausgespielt, und die Rückkehr zum klassischen Episodenformat funktioniert für mich nur teilweise.
Am Ende bleibt eine solide Staffel mit einigen richtig starken Momenten, die aber insgesamt nicht an die Qualität der vorherigen Seasons heranreicht.
Nicht schlecht, aber von Strange New Worlds bin ich Besseres gewohnt.
Entdecke mehr von Avo Talks
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
