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Chad Powers – Staffel 2 Kritik: Wo ist eigentlich die Comedy geblieben?

Manchmal gibt es Serien, bei denen man nach der ersten Staffel richtig gespannt auf die Fortsetzung wartet. Nicht unbedingt, weil alles perfekt war, sondern weil man das Gefühl hatte, die Geschichte würde jetzt erst richtig loslegen. Genau so ging es mir bei Chad Powers. Nach Staffel 1 war ich neugierig, wohin die Reise geht. Nach Staffel 2 lautet meine Antwort allerdings: Irgendwie genau dorthin, wo wir schon vorher waren.

Dabei wird die Serie weiterhin als Sportkomödie verkauft. Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung, wo die Comedy diesmal geblieben ist. Schon die erste Staffel hatte für mich deutlich mehr Drama als Humor zu bieten, aber Staffel 2 verabschiedet sich von der Komödie fast vollständig. Das ist nicht automatisch schlecht. Nur sollten Zuschauer nicht erwarten, hier eine locker-leichte Football-Comedy serviert zu bekommen. Was sie stattdessen bekommen, ist ein Drama mit Football-Kulisse.

Das Doppelleben wird immer gefährlicher

Die Handlung setzt direkt an den Ereignissen der ersten Staffel an. Aus dem unbekannten Walk-on-Spieler ist mittlerweile ein gefeierter Quarterback geworden. Chad Powers ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern der Hoffnungsträger der South Georgia Catfish auf dem Weg in die College Football Playoffs.

Das größte Problem bleibt allerdings dasselbe: Chad Powers existiert eigentlich gar nicht. Hinter der Fassade steckt weiterhin Russ Holliday, dessen Tarnung jederzeit auffliegen könnte. Genau daraus zieht die zweite Staffel ihre größte Spannung.

Besonders Gerry entwickelt sich dabei zu einer echten Gefahr. Er kommt hinter Russ‘ wahre Identität, versucht ihn mit einer verlorenen Sportwette über 200.000 Dollar zu erpressen und bringt die gesamte Situation immer mehr ins Wanken. Gleichzeitig verschwinden wichtige Beweisstücke, Intrigen werden gesponnen und das Kartenhaus droht mehrfach einzustürzen.

Beziehungen werden vertieft, aber nicht wirklich weiterentwickelt

Parallel dazu wird die Beziehung zwischen Russ und der Co-Trainerin weiter ausgebaut. Das bildet die zweite große Handlungsebene der Staffel. Hinzu kommen Ricky und Danny, die versuchen, das Team zusammenzuhalten, während Vertrauen und Loyalität zunehmend auf die Probe gestellt werden.

Das Problem ist allerdings: Die Serie erweitert ihre Beziehungen kaum. Ja, wir erhalten mehr Hintergrundinformationen über die Figuren. Ja, wir erfahren mehr über ihre Vergangenheit und ihre Motivationen. Aber echte Entwicklung? Die bleibt erstaunlich überschaubar.

Russ verändert sich zwar weiterhin. Die Wandlung vom arroganten Football-Star hin zu einem Menschen, der Verantwortung übernehmen muss, begann bereits in Staffel 1 und wird hier fortgeführt. Trotzdem fehlt mir das zentrale Ziel der Figur. Was will Russ eigentlich erreichen?

Will er dauerhaft als Chad leben? Will er irgendwann die Wahrheit sagen? Will er zurück in sein altes Leben? Oder will er einfach nur verhindern, erwischt zu werden?

Genau hier liegt für mich die größte Schwäche der zweiten Staffel. Die Serie stellt viele Fragen, wirkt aber nicht so, als hätte sie eine klare Richtung für ihre Hauptfigur.

Gute Fortsetzung, aber kein neuer Handlungsbogen

Wenn eine Serie weitererzählt wird, erwarte ich, dass sich daraus ein neuer Handlungsstrang ergibt. Nicht unbedingt eine komplette Neuausrichtung, aber zumindest eine spürbare Weiterentwicklung der Geschichte.

Bei Chad Powers Staffel 2 habe ich jedoch häufig das Gefühl, dass die Handlung einfach verlängert wird. Die Konflikte werden größer, die Situationen komplizierter und die Bedrohungen gefährlicher. Doch am Ende stehen wir überraschend nah an dem Punkt, an dem wir bereits nach Staffel 1 waren.

Die Lüge besteht weiterhin. Die Tarnung droht weiterhin aufzufliegen. Die Beziehungen befinden sich weiterhin in der Schwebe. Und Russ weiß noch immer nicht so recht, wohin sein Weg eigentlich führen soll.

Selbst das Finale liefert vor allem eines: einen großen Cliffhanger. Zwar gewinnen die Catfish ihr wichtiges Spiel durch einen entscheidenden Touchdown von Russ, doch gleichzeitig steht die Enttarnung unmittelbar bevor. Damit endet die Staffel genau in dem Moment, in dem eigentlich die spannendsten Konsequenzen beginnen könnten.

Mein Fazit

Chad Powers Staffel 2 ist keineswegs schlecht. Die Serie bleibt unterhaltsam, die Figuren funktionieren weiterhin und die Spannung rund um Russ‘ Doppelleben hält bei der Stange. Glen Powell trägt viele Szenen nahezu im Alleingang und sorgt dafür, dass man gerne weiter zuschaut.

Trotzdem bleibt bei mir das Gefühl zurück, dass die Serie auf der Stelle tritt. Statt einen neuen Weg einzuschlagen, wird vor allem das weitererzählt, was bereits in Staffel 1 funktioniert hat. Mehr Hintergrundinformationen ersetzen dabei nicht automatisch echte Entwicklung.

Wer die erste Staffel mochte, wird vermutlich auch hier wieder seinen Spaß haben. Wer allerdings auf große Wendungen, eine klare Figurenentwicklung oder tatsächlich eine Sportkomödie hofft, könnte etwas enttäuscht werden.

Von mir gibt es deshalb solides Mittelfeld. Eine ordentliche Fortsetzung, die ihre Geschichte weitererzählt, ohne ihr wirklich eine neue Richtung zu geben.

Bewertung: 3 von 5.

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