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28 Years Later: Die Ruhe vor dem nächsten Sturm

Danny Boyle führt sein eigenes Endzeit-Universum weiter und präsentiert den nächsten Teil seiner Rage-Saga. Stilistisch bleibt er seiner Linie treu – hektische Schnitte, körnige Bilder, dokumentarische Härte – doch erzählerisch schlägt 28 Years Later eine andere Richtung ein. Während der Vorgänger sich stark auf einen einzelnen Infizierten konzentrierte, der mit dem Wutvirus nicht nur denken, sondern strategisch handeln konnte und seinen alten Hass auslebte, rückt diesmal eine Familie ins Zentrum.

Die Mutter ist schwer krank, der Vater überfordert und unfähig, mit der Situation umzugehen, obwohl die Lösung buchstäblich in der Gefahrenzone liegt. Der Sohn wiederum feiert seinen Einstand als mutiger Jäger, nur um kurz darauf alles zu riskieren, um seine Mutter zu retten – und seinen Vater zurückzulassen. Boyle führt außerdem ein neues Element ein: Infizierte können Kinder bekommen, und diese Kinder sind immun. Ein spannender Ansatz, der jedoch nur angerissen wird.

Weniger gelungen ist der Handlungsstrang um den Jungen, der zu Beginn einem Angriff der Infizierten entkommt, in einer Kirche seinen Vater um Hilfe bittet und sich anschließend versteckt, um nicht infiziert zu werden. Dieser Plotfaden wird im Film selbst nicht aufgelöst – erst die Post-Credit-Szene deutet an, dass er im nächsten Teil eine Rolle spielen könnte.

Der Schnitt bleibt im vertrauten Stil der Vorgänger, doch der Einstieg zieht sich unnötig in die Länge. Auch die Militärgruppe, die früh im Film ausgelöscht wird, wirkt wie einer der vielen Nebenstränge, die zwar Weltbau betreiben, aber vieles offenlassen. Besonders hervorzuheben ist die Inszenierung des Todes von Dr. Kelson: visuell stark, emotional dicht – ein echtes Highlight.

Insgesamt wirkt 28 Years Later jedoch vor allem wie ein Übergangsfilm, der den Boden für den nächsten Teil bereitet. Selbst die Post-Credit-Szene, die 28 Tage später spielt, ist ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl.

Fazit: Wer der Geschichte folgen will, muss dranbleiben. Fans der ersten beiden Teile bekommen mehr vom Bekannten – solide, atmosphärisch, aber klar auf die Zukunft der Reihe ausgerichtet.

Bewertung: 3.5 von 5.

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