Kein Ted Lasso-Abklatsch: Running Point findet seine eigene Linie
Auf den ersten Blick wirkt Running Point wie eine Art Ted Lasso mit vertauschten Vorzeichen: Eine Frau ĂŒbernimmt das Ruder eines chaotischen Basketballteams. Doch schon nach wenigen Minuten zeigt sich, dass Camille âCamâ Thompson (ZoĂ« Kravitz) keine FeelâGood-Kopie ist. Die Serie erzĂ€hlt ihre Geschichte kantiger, konfliktreicher und mit einem realistischeren Blick auf Machtstrukturen im Profisport.
Camille muss sich in einer Welt behaupten, in der man sie als Frau kaum akzeptiert. Sie kĂ€mpft nicht nur gegen die Erwartungen der Liga und der Fans, sondern auch gegen ihre BrĂŒder. Jamal Thompson (OâShea Jackson Jr.), der sich im Entzug befindet, hat ihr den Job ĂŒberlassen, wĂ€hrend Darius Thompson (James Hiroyuki Liao) alles daransetzt, ihr diesen Posten wieder streitig zu machen. Die familiĂ€ren Spannungen bilden das emotionale Fundament der Serie und verleihen Camille eine glaubwĂŒrdige Fallhöhe.
FrĂŒh wirft die Serie einen ĂŒberraschenden Twist ein: Eli Brooks (Caleb McLaughlin), ein unscheinbarer Stadionmitarbeiter, der Popcorn und Hotdogs verkauft, entpuppt sich als ihr unehelicher Halbbruder â ein Erbe ihres gerade verstorbenen Vaters. Eli wird plötzlich in die Teamstruktur hineingezogen und stolpert als frisch ernannter Assistent von einem Fehler in den nĂ€chsten, bleibt aber durchweg sympathisch und berĂŒhrend in seinem Wunsch, endlich irgendwo dazuzugehören.
Die Episoden dauern rund 30 Minuten und kommen ohne unnötige LĂ€ngen aus. Jede Folge bringt die Handlung voran, ohne gehetzt zu wirken. Besonders stark ist die Figurenzeichnung: Jamal etwa ringt mit seiner SexualitĂ€t und verliert seinen Partner Luis (RaĂșl Castillo), weil er sich hinter seiner Arbeit versteckt und seine GefĂŒhle nicht sortieren kann. Gleichzeitig versucht Eli, seinen Platz in dieser neuen Familie zu finden, wĂ€hrend Camille zwischen Verantwortung, LoyalitĂ€t und Selbstbehauptung navigiert.
Fazit
Running Point ist eine frische, unterhaltsame Serie ĂŒber Macht, Familie und Teamdynamik. Wer Sportserien mag â besonders Basketball â und Freude an Intrigen, persönlichen Konflikten und langsam wachsenden Beziehungen hat, wird hier bestens bedient. Die Serie zeigt, wie aus einer chaotischen Gruppe von Managern, Trainern und Spielern Schritt fĂŒr Schritt ein echtes Team entsteht. Genau darin liegt ihr Charme.


