Finch – Tom Hanks allein unter UV-Strahlen
Wenn Tom Hanks allein auf weiter Flur agiert, ist die Assoziation zu Cast Away nicht weit. Und tatsächlich erinnert Finch in seiner Grundstimmung stark an das ikonische Überlebensdrama – nur dass die einsame Insel diesmal eine postapokalyptische Erde ist, verbrannt von einer Sonneneruption, die die Ozonschicht zerstört hat. Die Temperaturen liegen bei über 60 Grad, die UV-Strahlung ist tödlich, und Sandstürme machen das Leben zur täglichen Herausforderung. Inmitten dieser lebensfeindlichen Kulisse lebt Finch – ein Mann, ein Hund, ein Plan.
Finch weiß, dass seine Zeit abläuft. Die Strahlung hat seinen Körper gezeichnet, und so baut er einen Roboter namens Jeff, der sich nach seinem Tod um seinen geliebten Hund Goodyear kümmern soll. Was folgt, ist kein klassisches Endzeit-Abenteuer mit Bedrohungen und Action, sondern ein ruhiges, fast meditatives Roadmovie durch das verödete Amerika. Die Bedrohung bleibt diffus, das Tempo gemächlich. Es gibt kein klares Ziel, keine dramatische Zuspitzung – stattdessen viele kleine Episoden, die Finch als Mensch zeigen: verletzlich, pragmatisch, einsam.
Tom Hanks trägt den Film mit gewohnter Präsenz und Wärme. Sein Spiel ist zurückgenommen, aber voller Nuancen. Jeff, der Roboter mit kindlichem Gemüt, ist das perfekte Gegenstück – naiv, neugierig, manchmal nervig, aber immer liebenswert. Die Dynamik zwischen den beiden funktioniert erstaunlich gut und bringt sogar eine Prise Humor ins ansonsten melancholische Setting. Besonders gelungen ist das Ende, das nicht überrascht, aber emotional stimmig ist und dem Film einen würdigen Abschluss verleiht.
Trotzdem bleibt Finch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Welt, die er zeigt, ist faszinierend, aber untererzählt. Finch ist ein Einzelgänger ohne Familie, ohne Vergangenheit, ohne soziale Bindungen – das macht ihn zwar zum idealen Symbol für Isolation, nimmt dem Film aber auch narrative Tiefe. Der Cast ist minimalistisch: fünf Figuren plus Hund. Das reicht für ein Kammerspiel, aber nicht für ein episches Endzeitdrama.
Wer Tom Hanks mag, wird hier nicht enttäuscht. Wer große Spannung oder komplexe Story-Arcs erwartet, sollte die Erwartungen dämpfen. Finch ist ein Film, der sich gut nebenbei schauen lässt – beim Bügeln, beim Nachdenken, beim Alleinsein. Und vielleicht ist genau das seine stille Stärke.


