Backrooms (2026) – Ein Albtraum aus Beton, Erinnerung und Realität
Manchmal stolpert man über einen Film, den man eigentlich gar nicht auf dem Schirm hatte. Genau so ging es mir mit Backrooms von Regisseur Kane Parsons. Überall tauchte der Film plötzlich auf: begeisterte Zuschauer, starke Besucherzahlen und immer wieder dieselbe Aussage: „Den musst du gesehen haben.“
Also habe ich mich darauf eingelassen – und wurde überrascht.
Mehr als nur ein Internet-Meme
Die Backrooms sind längst ein fester Bestandteil der Internetkultur. Die Vorstellung von endlosen gelben Fluren, sterilen Büroräumen und einer Dimension, die sich jeglicher Logik entzieht, hat über Jahre hinweg Millionen Menschen fasziniert. Die große Frage lautete daher: Kann daraus überhaupt ein funktionierender Spielfilm entstehen?
Die Antwort lautet für mich ganz klar: Ja.
Kane Parsons gelingt das Kunststück, aus einem simplen Internet-Phänomen eine Geschichte zu entwickeln, die gleichzeitig Science-Fiction, Horror und Charakterdrama ist.
Die Geschichte hinter dem Horror
Im Mittelpunkt steht Clark (Chiwetel Ejiofor), ein gescheiterter Architekt, der nach einer schwierigen Lebensphase ein Möbelhaus leitet und praktisch im Keller des Gebäudes lebt. Dort entdeckt er eine fehlerhafte Stelle in der Realität und wird durch ein sogenanntes „No-Clipping“-Ereignis in die Backrooms gezogen.
Seine Suche nach einem Ausweg wird schnell zu einer Reise durch ein endloses Labyrinth aus Erinnerungen, Ängsten und verzerrten Abbildern der Wirklichkeit. Als Mary (Renate Reinsve) sich auf die Suche nach ihm macht, entfaltet sich Stück für Stück die eigentliche Wahrheit hinter dieser fremden Dimension.
Besonders gelungen ist dabei die Idee, den Backrooms einen wissenschaftlichen Ursprung zu geben. Das Async-Institut experimentierte mit einer Paralleldimension, um unendlich viel Wohn- und Lagerraum zu schaffen. Doch anstatt die Welt zu retten, beschädigten die Forscher das Gewebe der Realität selbst.
Die große Stärke: Die Inszenierung
Was mich am meisten begeistert hat, ist die Inszenierung.
Der Film erschafft Räume, die gleichzeitig gewöhnlich und völlig falsch wirken. Endlose Flure, monotone Beleuchtung, sterile Architektur und vertraute Objekte erzeugen ein permanentes Gefühl von Unsicherheit. Man hat ständig das Gefühl, Orientierung zu verlieren.
Dabei setzt der Film nicht auf klassische Jumpscares, sondern auf Atmosphäre. Die Backrooms wirken wie ein lebendiger Organismus, der Erinnerungen aufsaugt und neu zusammensetzt. Dadurch entstehen Räume, die vertraut erscheinen, aber dennoch etwas zutiefst Verstörendes ausstrahlen.
Genau dieses Gefühl macht den Film so besonders.
Ein Horrorfilm zum Nachdenken
Backrooms funktioniert nicht nur als Gruselfilm, sondern auch als psychologische Charakterstudie.
Clark kämpft nicht gegen ein Monster im klassischen Sinne. Er kämpft gegen sich selbst, gegen seine Fehler, seine Erinnerungen und seine Traumata. Die Dimension wird dabei zum Spiegel seiner Persönlichkeit.
Besonders das Finale hat es in sich. Der Film liefert keine einfachen Antworten und zwingt den Zuschauer dazu, über die gezeigten Ereignisse nachzudenken. Die Backrooms erscheinen letztlich weniger als Ort und mehr als ein Zustand – eine Dimension, die Identität verschlingt und Menschen langsam zu einem Teil ihrer eigenen Albträume macht.
Warum Fans von Videospielen sich sofort zuhause fühlen werden
Während des Films musste ich immer wieder an einige bekannte Spiele denken.
Control nutzt eine ähnliche Architektur aus brutalistischen Bürokomplexen und ständig verändernden Räumen. Das Älteste Haus wirkt stellenweise wie eine direkte Verwandtschaft der Backrooms.
Auch das DLC Haus aus Dead Island 2 kommt einem sofort in den Sinn. Die sterile Nachbildung einer Vorstadtwelt trifft exakt dieselbe liminale Atmosphäre.
Besonders stark sind die Parallelen zu The Evil Within. Dort verformt sich die Realität ebenfalls aus Erinnerungen, Ängsten und psychischen Traumata der Figuren. Genau dieses Prinzip findet sich auch in Backrooms wieder.
Alle diese Werke nutzen das gleiche Grundprinzip: Die Angst vor dem Unheimlichen entsteht nicht durch Dunkelheit, sondern durch Orte, die eigentlich vertraut wirken sollten.
Das Faszinierende an der Lore
Zusätzlich zur eigentlichen Handlung steckt in Backrooms eine erstaunlich umfangreiche Mythologie. Die Konzepte rund um Async, die wissenschaftliche Erforschung der Dimension und die Vorstellung eines lebenden, Erinnerungen verschlingenden Labyrinths geben dem Film deutlich mehr Tiefe, als man zunächst erwarten würde.
Gerade deshalb dürfte der Film auch für Fans von SCP-Geschichten, Urban Legends und Internet-Lore extrem interessant sein. Man merkt an vielen Stellen, dass die Backrooms mittlerweile weit mehr geworden sind als nur ein virales Bild von einem gelben Büroraum.
Fazit
Backrooms ist einer dieser Filme, die man nicht einfach konsumiert und danach vergisst. Die ungewöhnliche Inszenierung, die beklemmende Atmosphäre und die Mischung aus Horror, Science-Fiction und psychologischer Symbolik machen ihn zu einem der interessantesten Genrebeiträge der letzten Jahre.
Wer nur einen klassischen Monster-Horror erwartet, könnte überrascht werden. Wer sich jedoch auf die Welt der Backrooms einlässt, bekommt einen Film, der lange im Kopf bleibt.
Backrooms ist für mich eine klare Empfehlung und definitiv ein Film, den man zumindest einmal gesehen haben sollte. Er eröffnet neue Möglichkeiten der Inszenierung, erschafft faszinierende Räume und erzählt eine Geschichte, über die man auch nach dem Abspann noch nachdenkt. Genau solche Filme bleiben in Erinnerung.

