Coyote vs. Acme: Wenn der ewige Verlierer endlich zurückschlägt

Manchmal gibt es Filme, die man mit einer gewissen Erwartungshaltung betritt und die einen dann völlig auf dem falschen Fuß erwischen. Genau so ging es mir bei Coyote vs. Acme. Als ich zum ersten Mal von dem Projekt hörte, war ich neugierig. Nicht nur wegen der legendären Looney-Tunes-Figuren, sondern auch wegen der turbulenten Geschichte hinter dem Film. Ursprünglich sollte der fertige Film sogar in den Archiven verschwinden und als Steuerabschreibung enden. Erst durch massiven Protest von Fans bekam er doch noch die Chance, das Licht der Kinoleinwand zu erblicken. Und ganz ehrlich? Das war eine der besten Entscheidungen überhaupt.
Wer jetzt denkt, hier erwartet ihn ein klassischer Warner-Bros.-Kinderfilm mit ein paar Slapstick-Einlagen, der könnte kaum falscher liegen.
Natürlich sind die bekannten Zutaten vorhanden. Klaviere fallen vom Himmel, Raketen gehen spektakulär schief und die ACME-Produkte tun zuverlässig alles, außer das, wofür sie eigentlich gebaut wurden. Doch hinter dem bekannten Humor verbirgt sich ein erstaunlich erwachsener Film, der sich selbst ernst nimmt und genau dadurch so hervorragend funktioniert.
Bereits die Namen hinter dem Projekt machen deutlich, dass hier etwas anderes versucht wurde. Regisseur Dave Green inszeniert die Geschichte mit spürbarer Leidenschaft, während James Gunn als Produzent und Drehbuchautor seine Handschrift hinterlässt. Wer seine Arbeiten wie Guardians of the Galaxy kennt, wird viele Parallelen entdecken. Humor und Ernsthaftigkeit stehen nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich gegenseitig perfekt.
Und genau das macht Coyote vs. Acme so besonders.
Der größte Außenseiter kämpft zurück
Die Geschichte führt uns in den Südwesten der USA des Jahres 1992. Menschen und Cartoon-Figuren leben hier Seite an Seite. Mittendrin befindet sich Willi Kojote, der seit Jahrzehnten vergeblich versucht, den Road Runner zu fangen. Seine einzige Hoffnung sind die berüchtigten Produkte der ACME Corporation.
Das Problem?
Sie funktionieren nie.
Jede Rakete explodiert zu früh. Jede Falle geht nach hinten los. Jede Erfindung verletzt am Ende den Kojoten selbst.
Irgendwann reicht es ihm.
Anstatt stumm weiterzuleiden, zieht er vor Gericht und verklagt den mächtigen Konzern wegen Produkthaftung, Körperverletzung und seelischer Grausamkeit. Unterstützt wird er vom glücklosen Anwalt Kevin Avery, der zunächst wirkt, als hätte er sein Leben ebenso wenig im Griff wie die ACME-Ingenieure ihre Produkte.
Was als kleiner Rechtsstreit beginnt, entwickelt sich jedoch schnell zu einem gewaltigen Kräftemessen zwischen einem einzelnen Außenseiter und einem milliardenschweren Konzern.
Mehr als nur ein Gerichtsdrama
Auf den ersten Blick ist Coyote vs. Acme ein humorvolles Courtroom-Drama. Doch je länger der Film läuft, desto deutlicher wird, dass weit mehr dahintersteckt.
Im Kern erzählt die Geschichte von Verantwortung.
Von Unternehmen, die Gewinne über alles stellen.
Von Menschen oder in diesem Fall Toons, die als Testobjekte missbraucht werden.
Von denjenigen, die die Konsequenzen tragen müssen, während die Verantwortlichen sich hinter Anwälten, Geld und politischem Einfluss verstecken.
Deshalb funktioniert der Film auch auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Kinder können über die verrückten Gags lachen. Erwachsene erkennen darin eine überraschend scharfe Kritik an Konzernstrukturen, Umweltzerstörung, Produktsicherheit und den Mechanismen großer Unternehmen.
Die Botschaft wirkt dabei nie aufgesetzt. Sie steckt in den Dialogen, in den Situationen und besonders in den Gerichtsverhandlungen.
Gerade die Szenen rund um die Anhörungen erinnern stellenweise erschreckend stark an reale Fälle großer Unternehmen, die öffentlich Verantwortung zeigen sollen, während sich hinter den Kulissen eigentlich nichts verändert.
Fantastische Figuren
Willi Kojote bleibt trotz seiner Sprachlosigkeit der absolute Mittelpunkt des Films. Seine Mimik, seine Gestik und sein unerschütterlicher Wille machen ihn zu einer der sympathischsten Figuren des gesamten Looney-Tunes-Universums.
Will Forte überzeugt als Kevin Avery ebenso. Sein Anwalt beginnt als hoffnungsloser Verlierer und wächst mit jeder Herausforderung über sich hinaus.
Auf der Gegenseite sorgt John Cena als Buddy Crane für einen großartigen Antagonisten. Charmant, selbstsicher und eiskalt verkörpert er genau den Typ Anwalt, den man gleichzeitig bewundern und verabscheuen kann.
Dazu kommen unzählige Gastauftritte und Easter Eggs. Fast jede Szene hält irgendeine Referenz an die lange Geschichte der Looney Tunes bereit. Wer mit Bugs Bunny, Daffy Duck und Co. aufgewachsen ist, wird ständig neue Details entdecken.
Die wahre Überraschung des Films
Was mich allerdings am meisten begeistert hat, ist die Beziehung zwischen Kojote und Road Runner.
Über Jahrzehnte kannten wir die beiden als ewige Feinde.
Jäger und Gejagter.
Doch der Film deutet etwas an, das weit darüber hinausgeht. Hinter all den Verfolgungsjagden steckt eine Verbindung, die fast schon wie eine ungewöhnliche Freundschaft wirkt. Beide definieren sich gegenseitig. Beide gehören zusammen.
Und genau dieser Gedanke verleiht dem Ganzen eine überraschend emotionale Tiefe.
Mein Fazit
Coyote vs. Acme ist weit mehr als eine nostalgische Rückkehr der Looney Tunes.
Es ist ein intelligentes, witziges und überraschend mutiges Gerichtsdrama, das gesellschaftliche Kritik, großartigen Humor und liebenswerte Figuren miteinander verbindet. Der Film schafft den Spagat zwischen familienfreundlicher Unterhaltung und erwachsenen Themen fast mühelos.
Man lacht über die spektakulären ACME-Katastrophen, entdeckt unzählige Easter Eggs und wird gleichzeitig immer wieder zum Nachdenken angeregt.
Für mich ist das einer dieser seltenen Filme, die auf den ersten Blick leicht und verrückt wirken, tatsächlich aber deutlich mehr zu sagen haben, als man zunächst vermuten würde.
Ein ebenso verrücktes wie kluges Abenteuer über Gerechtigkeit, Verantwortung und den vielleicht berühmtesten Verlierer der Filmgeschichte, der endlich beschließt, sich nicht länger mit dem Scheitern abzufinden.
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