Avo Talks

Wo Popkultur Tiefgang bekommt und Verspätung zum Stilmittel wird.

Avo Talks

Avo Talks

Wo Popkultur Tiefgang bekommt und Verspätung zum Stilmittel wird.

Avo Talks
Filme

Harry Potter und der Orden des Phönix: Wenn Hogwarts seine Unschuld verliert

Mein Filmwochenende im Kino ging weiter, und diesmal war „Harry Potter und der Orden des Phönix“ an der Reihe. Ich habe es ja schon mehrfach erwähnt: Durch diese Kinoreihe bekomme ich nochmal einen ganz anderen Blick auf die gesamte Harry-Potter-Saga. Gerade wenn man die Filme relativ nah hintereinander schaut, fallen einem Entwicklungen auf, die man früher vielleicht gar nicht so bewusst wahrgenommen hat.

Der fünfte Film ist dabei ein ganz besonderer Vertreter der Reihe. Nicht unbedingt, weil er alles anders macht, sondern weil sich die Geschichte spürbar verändert. Die vorherigen Filme hatten natürlich ebenfalls Spannung und wurden mit jeder Folge ernster. Mit Der Feuerkelch hatten wir sogar bereits den ersten großen Tod erlebt. Doch Der Orden des Phönix schlägt eine etwas andere Richtung ein.

Die Bedrohung kommt diesmal nicht mehr nur von außen. Stattdessen geht vieles in den Untergrund. Es wird Widerstand organisiert, eine Art Rebellion aufgebaut, und genau das verleiht dem Film einen ganz eigenen Charakter. Die Welt wird größer, aber gleichzeitig auch beklemmender.

Und dann wäre da natürlich noch Dolores Umbridge.

Ich glaube, sie ist bis heute eine der meistgehassten Figuren des gesamten Harry-Potter-Universums und das vollkommen zu Recht. Sie ist das personifizierte Böse, ohne dabei wie ein klassischer Bösewicht aufzutreten. Gerade das macht sie so unangenehm. Ihre Art, ihre Regeln, ihr Auftreten, all das sorgt dafür, dass man sie am liebsten direkt aus Hogwarts hinauswerfen würde.

Umso beeindruckender ist die Darstellung von Imelda Staunton, die diese Rolle einfach hervorragend spielt. Überhaupt befindet sich das gesamte Cast wieder auf einem enorm hohen Niveau. Man merkt einfach, warum englische Schauspieler einen so guten Ruf genießen. Die Qualität der Darstellungen ist durchgehend stark und trägt die Filmreihe seit dem ersten Teil.

Dabei ist mir noch etwas aufgefallen, worüber ich mir während des Films Gedanken gemacht habe. Viele Figuren funktionieren auch deshalb so gut, weil man bei ihrer Besetzung nicht ausschließlich auf große Weltstars gesetzt hat. Gerade Rollen wie die Dursleys oder viele Nebenfiguren wurden mit Schauspielern besetzt, die zumindest für mich damals keine bekannten Gesichter waren.

Dadurch bringt man als Zuschauer keine vorgefertigten Erwartungen mit. Man sieht nicht den Schauspieler, sondern die Figur. Das hilft enorm dabei, in die Welt einzutauchen. Natürlich gibt es zahlreiche bekannte Gesichter, besonders unter den Lehrern und erwachsenen Zauberern, aber die Mischung aus etablierten Darstellern und weniger bekannten Schauspielern funktioniert hervorragend.

Inhaltlich sorgt Umbridge dafür, dass Hogwarts immer mehr von Regeln und Kontrolle geprägt wird. Das vertraute Gefühl, nach Hause zu kommen, verschwindet langsam. Dieses sichere und behütete Hogwarts, das die ersten Filme noch ausgezeichnet hat, ist kaum noch vorhanden.

Genau darin liegt für mich auch eine der großen Stärken des Films. Er erzählt nicht nur eine Geschichte über Magie und Abenteuer, sondern auch über das Erwachsenwerden. Anfangs sind die Grenzen zwischen Gut und Böse noch klar zu erkennen. Mit jeder neuen Erfahrung verschwimmen diese Linien jedoch mehr und mehr.

Harry und seine Freunde haben inzwischen den Tod kennengelernt und müssen akzeptieren, dass die Welt deutlich komplizierter ist, als sie es früher geglaubt haben. Diese Entwicklung zieht sich durch den gesamten Film und macht ihn deutlich düsterer als viele seiner Vorgänger.

Was mir beim erneuten Anschauen der Reihe ebenfalls auffällt: Die Filme funktionieren mittlerweile fast wie eine große Serie. Obwohl zwischen den Produktionen mehrere Jahre lagen, greifen die einzelnen Teile wunderbar ineinander. Die Figuren entwickeln sich glaubwürdig weiter, und man sieht, wie die Schauspieler gemeinsam mit ihren Rollen älter werden.

Gerade Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint machen ihre Sache auch hier wieder richtig gut. Man nimmt ihnen ihre Freundschaft und ihre Entwicklung jederzeit ab.

Und dann ist da natürlich noch Alan Rickman als Severus Snape.

Für mich bleibt Snape einer der faszinierendsten Charaktere der gesamten Reihe, und Alan Rickman liefert hier erneut eine großartige Leistung ab. Das Beeindruckende ist, dass er gar nicht ständig im Mittelpunkt stehen muss. Oft reichen wenige Szenen, eine bestimmte Mimik oder ein Blick, um Eindruck zu hinterlassen. Wenn man die gesamte Geschichte kennt, wirken viele seiner Auftritte noch einmal ganz anders. Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen, denn das würde schnell in Richtung Spoiler gehen.

Innerhalb der Reihe bewegt sich Der Orden des Phönix für mich aktuell im soliden Mittelfeld der bisherigen Filme. Das ist keineswegs negativ gemeint, denn das Niveau der Reihe ist insgesamt sehr hoch. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass die größten Höhepunkte noch bevorstehen.

Ob sich dieser Eindruck bestätigt, werdet ihr dann in meinem letzten Bericht zur Reihe erfahren.

Fazit

Harry Potter und der Orden des Phönix markiert einen wichtigen Wendepunkt der Filmreihe. Das vertraute Hogwarts verändert sich, die Bedrohung wird komplexer und die Figuren müssen erwachsener werden. Mit einer großartigen Besetzung, einer der unangenehmsten Gegenspielerinnen der Filmgeschichte und einer spürbar düstereren Atmosphäre bereitet der Film den Weg für das große Finale der Saga.

Für Harry-Potter-Fans bleibt er daher ein wichtiger und sehr starker Teil der Reihe, der beim erneuten Anschauen sogar noch einmal gewinnt.

Bewertung: 4 von 5.

Entdecke mehr von Avo Talks

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert