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Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Endlich verstanden, warum dieser Film funktioniert

Nach einem langen Harry-Potter-Binge-Wochenende im Kino nähere ich mich tatsächlich den letzten beiden Filmen der Reihe. Und ganz ehrlich: Alle Filme einmal am Stück zu sehen, war eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich habe die Reihe vorher nie gebincht und bis hierhin funktioniert das Ganze für mich erstaunlich gut.

Bei Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 komme ich allerdings an einen Punkt, an dem ich zum ersten Mal etwas kritischer werde. Nicht, weil der Film schlecht wäre, sondern weil man deutlich merkt, dass hier eine Geschichte aufgeteilt wurde, die eigentlich zusammengehört. Man spürt förmlich, dass man aus einer Handlung, die vielleicht dreieinhalb Stunden getragen hätte, zwei eigenständige Filme machen wollte.

Dadurch entstehen gerade im Mittelteil einige sehr langgezogene Passagen. Das Problem hatte für mich interessanterweise schon das Buch ein wenig. Gleichzeitig gibt es Dinge, die im Film eher nebenbei abgehandelt werden oder sogar komplett unter den Tisch fallen. Einige Hintergründe und Konflikte werden nur angerissen, obwohl sie der Welt eigentlich noch mehr Tiefe gegeben hätten.

Als Einzelwerk betrachtet fühlt sich der Film deshalb stellenweise etwas langatmig an. Da wäre durchaus Platz gewesen, mehr Informationen einzubauen, statt manche Entwicklungen komplett für den zweiten Teil aufzusparen. Betrachtet man jedoch beide Filme als ein großes Gesamtwerk, verschiebt sich die Bewertung plötzlich deutlich nach oben.

Und genau hier hat sich meine Sicht im Vergleich zu früher verändert.

Damals, als der Film ins Kino kam, musste man nach dem Ende erst einmal monatelang auf den zweiten Teil warten. Dieser Bruch hat dem Film meiner Meinung nach nicht unbedingt geholfen. Heute, im Binge-Modus, funktioniert die Struktur wesentlich besser. Man sieht viel klarer, wie Teil 1 eigentlich die Grundlage für das große Finale legt.

Dabei geht es weniger um spektakuläre Schlachten als vielmehr um die Figuren. Harry, Ron und Hermine sind längst keine Kinder mehr. Man merkt, dass sie erwachsen werden und dass sich dadurch alles verändert. Freundschaften werden auf die Probe gestellt, Beziehungen entwickeln sich weiter und manche Verbindungen drohen sogar zu zerbrechen.

Genau darum dreht sich dieser Film im Kern: um Entfremdung und das Wieder-Zusammenfinden. Darum, dass Erwachsenwerden bedeutet, vertraute Dinge plötzlich neu betrachten zu müssen. Freundschaften, Familie, Liebe – alles verändert sich. Und der Film nimmt sich die Zeit, diesen Prozess zu zeigen.

Ja, als Einzelwerk würde ich ihm weiterhin vorwerfen, dass manche Strecken zu lang ausfallen. Aber als erster Teil eines großen Finales funktioniert er inzwischen für mich deutlich besser als früher. Tatsächlich hat sich meine Bewertung durch diesen Rewatch sogar verbessert.

Vielleicht ist das die größte Erkenntnis dieses Binge-Wochenendes: Die Heiligtümer des Todes Teil 1 ist kein Film, der unbedingt alleine stehen will. Er ist die lange Anlaufphase vor dem großen Sprung. Und wenn man direkt weiterschauen kann, merkt man plötzlich, wie wichtig genau diese Ruhe vor dem Sturm eigentlich ist.

Bewertung als Einzelwerk: Gut, aber etwas zu langatmig.
Bewertung als Teil des Gesamtwerks: Nahezu perfekt.

Bewertung: 4 von 5.

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