Supergirl (2026) – Eine Kritik, die viele nicht auf dem Schirm haben

Ich bin in diesen Film gegangen mit genau dem Gefühl, das man hat, wenn man vorher schon so ein bisschen was aufschnappt. Hier eine Meinung, da ein Kommentar – Story hat angeblich Lücken, der Bösewicht soll schwach sein, die Figuren zu blass. Und ich habe mir bewusst gedacht: okay, ich lasse mich nicht komplett spoilern, aber ich nehme das mal mit und gucke einfach, was mich erwartet.
Und nach dem Film sitze ich da und denke mir ernsthaft: Haben die Leute diesen Film überhaupt verstanden?
Denn ganz ehrlich – „Supergirl“ macht etwas, das viele offensichtlich gar nicht sehen wollen. Das hier ist kein klassischer Superheldenfilm, kein simples „Gut gegen Böse“, kein Werk, das dir einen großen, komplexen Antagonisten vorsetzt und dich dann mit Action durch den Abend bringt. Dieser Film interessiert sich für etwas ganz anderes. Er interessiert sich für eine Figur. Für ihre Geschichte. Für ihren Schmerz. Und genau da entfaltet er seine komplette Stärke.
Der Punkt, an dem für mich alles kippt – im positiven Sinne – ist die Geschichte von Krypton. Und das ist eben nicht einfach dieses typische „Planet explodiert und fertig“. Nein, hier wird erzählt, dass ein Teil gerettet werden konnte. Ein letzter Rest Krypton, ein Felsbrocken mit einem Schutzschild, ein Ort, an dem Leben weitergeht. Und genau das ist das eigentlich Grausame. Denn diese Menschen sind nicht sofort gestorben. Sie wurden langsam verstrahlt. Sie hatten Zeit zu begreifen, was passiert. Zeit zu leiden. Zeit zu verstehen, dass es kein Entkommen gibt.
Und Kara war mittendrin.
Sie hat das miterlebt. Sie hat ihre eigene Mutter sterben sehen und gleichzeitig gewusst, dass ihr Vater diesem Schicksal ebenfalls nicht entkommen wird. Und bevor es sie selbst erwischt, bevor diese Strahlung auch sie zerstört, wird sie weggeschickt. Gegen ihren Willen. Sie muss gehen. Alleine. Und lässt alles zurück, was sie je gekannt hat.
Und dann kommt dieser eine Satz im Film, der sich bei mir komplett eingebrannt hat:
„Die Zerstörung von Krypton wäre Gnade gewesen. Alles, was danach kam, war für die Überlebenden nur die Hölle.“
Und in dem Moment macht plötzlich alles Sinn. Wirklich alles. Denn das hier ist kein klassischer Ursprung mehr, kein „ich werde jetzt zur Heldin“. Das ist Trauma. Das ist Verlust auf einer Ebene, die Superman nie erlebt hat – und genau da liegt der Unterschied zwischen diesen beiden Figuren, den der Film so unfassbar gut herausarbeitet.
Superman wächst auf der Erde auf. Er kennt Liebe, Vertrauen, Hoffnung. Er glaubt an das Gute im Menschen, weil er es erlebt hat. Kara hingegen kommt aus einer Welt, die in Schmerz untergegangen ist. Sie hat gesehen, was passiert, wenn alles zerbricht. Sie hat miterlebt, wie Menschen leiden, wie sie sterben, wie sie sich selbst aufgeben. Und das formt sie.
Und genau deshalb kommt der Punkt, den der Film am Ende so unglaublich stark ausspielt. Es geht um Rache. Um dieses Gefühl, das alles in dir auffrisst. Und es geht um dieses junge Mädchen, Ruthye, das genau an diesem Scheideweg steht. Die Frage ist nicht einfach nur: wird sie Rache nehmen? Die eigentliche Frage ist: soll sie diesen Weg überhaupt gehen?
Und hier zeigt sich der fundamentale Unterschied zwischen Superman und Supergirl in seiner reinsten Form. Superman könnte diese Entscheidung niemals treffen. Er würde diesen Weg niemals zulassen, weil er nicht in der Lage ist, so zu fühlen. Er kennt diesen Abgrund nicht. Kara hingegen… versteht ihn. Sie weiß genau, was in diesem Moment in Ruthye vorgeht, weil sie selbst genau diese Dunkelheit in sich trägt. Sie wäre in der Lage, diese Entscheidung zu treffen – und genau das ist das Gefährliche.
Und gleichzeitig versucht sie alles, um genau das zu verhindern. Sie will nicht, dass dieses Mädchen so endet wie sie selbst. Sie will nicht, dass sie diese Hölle kennenlernt. Und genau da entsteht dieser Konflikt, der irgendwann auch zwischen ihr und Superman unausweichlich sein wird. Nicht laut, nicht sofort – aber dieser Film legt diesen Grundstein so sauber, dass man genau weiß: das wird noch knallen.
Die Reise, die Kara dabei durchmacht, ist dabei alles andere als die typische Heldenreise. Als wir sie kennenlernen, ist sie gebrochen, verloren, eigentlich fertig mit allem. Sie treibt durchs All, betrinkt sich, versucht irgendwie zu existieren, aber ohne echtes Ziel. Und erst durch Ruthye bekommt diese Geschichte wieder Richtung. Dieses Mädchen ist kein Beiwerk, keine Nebensache – sie ist das emotionale Zentrum des Films. Ohne sie würde Kara komplett untergehen.
Und dann gibt es diesen Moment mit Krypto. Dieser kleine Lichtblick in all dem Chaos. Und als er verletzt wird, spürt man förmlich, wie etwas in Kara endgültig kippt. Das ist kein klassischer Wendepunkt, der künstlich erzeugt wird. Das ist ein Moment, der sich verdient anfühlt. Ab da gibt es kein Zurück mehr.
Und dann kommen wir zu dem Punkt, der so viel kritisiert wurde: der Antagonist. Krem. Ein brutaler, skrupelloser Anführer einer Piratenmiliz, der zerstört, nimmt und tötet. Und ja, er hat keine tief ausgearbeitete Hintergrundgeschichte. Er ist kein komplexer „Gray Character“. Aber ganz ehrlich? Er muss es auch nicht sein. Dieser Film braucht das nicht. Er ist nicht dafür da, dass du den Bösewicht verstehst. Er ist dafür da, dass du Kara verstehst. Und genau deshalb funktioniert das so gut.
Mit Lobo kommt dann noch eine komplett andere Energie rein. Unberechenbar, chaotisch, irgendwo zwischen Unterstützung und Eskalation. Und genau das bringt eine Lockerheit rein, die dem Film richtig gut tut, ohne ihn zu entwerten.
Was mich aber wirklich überrascht hat, ist die zweite Ebene, die ständig im Hintergrund mitschwingt. Themen wie Frauenhandel, Ausbeutung, Machtstrukturen – gerade über Ruthyes Geschichte wird das deutlich. Frauen, die benutzt werden, die als Mittel zum Zweck gesehen werden. Und das wirkt nicht aufgesetzt, sondern erschreckend real. Das ist einer dieser Momente, in denen man merkt: dieser Film hat mehr zu sagen, als man ihm vielleicht zutraut.
Und dann sitze ich da und denke mir einfach nur: Warum schaffen das andere nicht? Warum bekommen große Produktionen es hin, sich irgendwo zu verlieren, während dieser Film eine klare, durchgehende Geschichte erzählt? Ich musste wirklich an Sachen wie Star Wars oder Mando & Grogu denken, wo so viel Potenzial da ist, aber sich alles irgendwann zieht, zerfasert oder ein Loch in der Mitte entsteht. Und hier? Hier hast du eine Linie. Anfang, Entwicklung, Konsequenz. Und das tut einfach gut.
Am Ende wird das Ganze dann noch von einer Hauptdarstellerin getragen, die diesen Film wirklich lebt. Jede Szene hat Gewicht, jede Emotion kommt an, nichts wirkt gespielt. Man nimmt ihr alles ab. Und genau das ist der Grund, warum dieser Film funktioniert.
Mein Fazit ist deshalb ziemlich klar: „Supergirl (2026)“ ist kein typischer Superheldenfilm. Es ist eine Geschichte über Verlust, über Schmerz, über moralische Entscheidungen und darüber, wie unterschiedlich zwei Figuren sein können, obwohl sie aus derselben Welt stammen. Und genau deshalb gehört er für mich zu den besten Comicverfilmungen dieses Jahres. Und ganz ehrlich – er hat deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als er gerade bekommt.
