Paradise Staffel 2 – raus aus dem Bunker, rein in die Apokalypse
Die zweite Season musste zwangsläufig etwas anderes erzählen – und sie tut es auch. Zum Glück. Nichts wäre langweiliger gewesen, als einfach im gleichen Ton weiterzumachen.
Jetzt geht es raus aus dem Bunker. Nicht für alle, sondern nur für ein paar wenige.
Vor allem für Xavier, der sich auf die Suche nach seiner Frau Teri (Enuka Okuma) begibt – einer Mykologin, die bei der Katastrophe draußen geblieben ist. Diese Suche wird zum emotionalen Anker der Staffel.
Und dann macht die Serie etwas richtig Starkes:
Sie zeigt uns die Erdoberfläche nach der Katastrophe. Wie sie aussieht. Wie sie sich anfühlt. Wie Menschen versuchen, darin zu überleben.
Die Elvis‑Folge – mein persönliches Highlight
Eine Folge sticht für mich brutal heraus: die Elvis‑Episode.
Ich liebe diese Folge.
Es geht um eine Frau, deren Mutter ein riesiger Elvis‑Presley‑Fan war. Ihr Traum drehte sich komplett um Elvis, um seine Geschichte, um sein Museum. Die Tochter selbst war hochintelligent, wollte Medizin studieren – aber das Leben kam dazwischen. Nach dem Tod der Mutter landet sie ausgerechnet im Elvis‑Museum.
Und dieses Museum gibt es wirklich.
Es handelt sich um Graceland, das Elvis‑Museum im Süden von Memphis, Tennessee, 3764 Elvis Presley Boulevard. Kein Fantasieort, kein erfundener Schauplatz – ein realer, ikonischer Ort.
Und genau dort passiert dann die Katastrophe.
Sie bleibt. Richtet sich ein. Lebt zwischen Erinnerungsstücken, Musik, Mythos – während draußen die Welt zusammenbricht. Später stirbt auch noch die Frau, die ihr den Job verschafft hat: Beinbruch, Entzündung, keine medizinische Hilfe. Ende.
Diese Geschichte ist ruhig erzählt, traurig, intensiv – und schafft es, auf eine extrem eindringliche Weise zu zeigen, wie sehr sich der Planet verändert hat. Genau dafür liebe ich Paradise.
Die Musik – nicht Beiwerk, sondern Herz der Serie
Ich habe es vorher schon gesagt, aber nach Staffel 2 muss man es eigentlich klar benennen:
Die Musik ist kein Hintergrund – sie IST Teil der Geschichte.
Da ist zum Beispiel „Another Day in Paradise“.
In Staffel 2 taucht der Song in einer Version von Soundwall auf. Reduziert, melancholisch, fast zerbrechlich. Thematisch perfekter geht es kaum: Ein weiterer Tag im „Paradies“, während alles um dich herum längst verloren ist.
Dann „The Final Countdown“ – und ja, ich hatte zuerst Angst.
Aber das dramatische Remake von Soundwall & Amelia McLean nimmt dem Song jeden Achtziger‑Bombast und macht daraus einen traurigen Abgesang. Kein Pathos, sondern reine Resignation. Grandios eingesetzt.
Und dann… dann kommt „Exodus“.
Ein über 15‑minütiges episches Finalstück.
Langsam, schwer, fast schon sakral. Das fühlt sich an wie der musikalische Abschied von der alten Welt. Gerade in Verbindung mit dem Elvis‑Thema – Mythos, Erinnerung, kulturelles Erbe – wirkt „Exodus“ wie ein Abmarsch der Menschheit aus dem, was sie einmal war.
Das ist keine Musik, die nebenbei läuft.
Das ist emotionale Wucht.
Und darüber liegt als perfekte Klammer der Titelsong „Paradise“ von Phil Collins, neu gesungen, neu interpretiert, inhaltlich so on point, dass man eigentlich jedes Mal Gänsehaut bekommt.
Wenn man ehrlich ist:
Nimmt man der Serie die Musik, nimmt man ihr ein Stück Seele.
Fazit
Paradise erinnert stellenweise an The Walking Dead, vor allem in der Darstellung der postapokalyptischen Erde und im Verhalten der Menschen. Aber der Ton ist ernster, kälter – und gnadenloser.
Hier können Figuren sterben. Punkt.
Ja, es gibt Folgen, die etwas hängen.
Ja, das Tempo bricht zwischendurch leicht ein.
Aber sobald ihr bei den letzten drei Episoden ankommt, gilt wieder das Gleiche wie in Staffel 1:
Es kracht richtig rein.
Mein Fazit:
Das Beeindruckende ist, dass jede Staffel ein neues Szenario aufmacht, ohne sich selbst zu kopieren. Keine Abnutzung, kein Stillstand – sondern Mut zum Perspektivwechsel.
Das Finale ist schlicht Genius. Ich kann es nicht spoilern. Aber Staffel 3 ist vorbereitet – mit einem komplett neuen Ansatz und einem frischen Plotwechsel.
Kurz gesagt:
👉 Paradise müsst ihr gesehen haben.
Auch wenn es weh tut.
Gerade deshalb.


