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Filme

Mayday 2026: Bruchlandung statt Höhenflug

Manchmal gibt es Filme, bei denen man sich vor dem Start schon auf die Couch setzt und denkt: „Das könnte richtig gut werden.“ Genau so ging es mir mit Mayday 2026. Die ersten Kritiken machten neugierig, dazu ein Kalter-Krieg-Setting Ende der 80er Jahre, eine Geschichte über einen Amerikaner und einen Russen, die zusammenarbeiten müssen, und dann noch Kenneth Branagh in einer der Hauptrollen. In meinem Kopf hatte ich bereits Vergleiche zu Klassikern wie Enemy Mine, einem Film, der zeigt, wie aus erbitterten Feinden echte Freunde werden können.

Die Erwartungen waren also hoch.

Leider blieb am Ende vor allem eins zurück: Enttäuschung.

Die Story: Eigentlich eine richtig gute Grundlage

US-Navy-Pilot Troy „Assassin“ Kelly wird während einer geheimen Mission über Sibirien abgeschossen und strandet tief im feindlichen Gebiet. Verletzt, allein und mehrere tausend Kilometer von der Freiheit entfernt, trifft er auf den ehemaligen KGB-Agenten Nikolai Ustinov.

Gemeinsam machen sich die beiden auf den gefährlichen Weg Richtung finnischer Grenze, während ihnen sowjetische Truppen und KGB-Einheiten dicht auf den Fersen sind.

Klingt spannend?

Ist es auch. Zumindest auf dem Papier.

Denn die Grundidee funktioniert hervorragend. Zwei Männer aus völlig unterschiedlichen Welten müssen lernen, einander zu vertrauen. Gerade vor dem Hintergrund des Kalten Krieges bietet das enormes Potenzial für Konflikte, Charakterentwicklung und emotionale Momente.

Ryan Reynolds spielt… Ryan Reynolds

Einer der Hauptgründe, warum ich mich auf den Film gefreut hatte, war die Aussage vieler Kritiker, dass Ryan Reynolds hier einmal eine ganz andere Rolle spielen würde.

Genau das habe ich leider nicht gesehen.

Stattdessen bekommen wir wieder den typischen Ryan Reynolds: lockere Sprüche, freche Kommentare und den gewohnt lässigen Charme.

Normalerweise funktioniert das wunderbar. In Filmen wie Deadpool oder Free Guy passt diese Art perfekt. Dort lebt die gesamte Geschichte von seinem Humor und seiner Fähigkeit, eine völlig verrückte Situation mit einem lockeren Spruch zu kommentieren.

Hier wirkte es für mich allerdings fehl am Platz.

Sein Charakter befindet sich mehrfach in Situationen, in denen er körperlich und mental eigentlich völlig am Ende sein müsste. Absturz. Verletzungen. Verfolgungsjagden. Extrembedingungen in der sibirischen Wildnis.

Doch kaum eine Szene hinterlässt echte Spuren.

Dadurch fehlt der Figur jede Glaubwürdigkeit. Statt einen Piloten zu sehen, der an seine Grenzen kommt, sieht man Ryan Reynolds dabei zu, wie er erneut Ryan Reynolds spielt.

Kenneth Branagh rettet den Film

Wenn es ein echtes Highlight gibt, dann heißt es eindeutig Kenneth Branagh.

Sein Nikolai ist die mit Abstand interessanteste Figur des Films.

Man kann ihm praktisch jede Emotion ansehen. Schmerz. Freude. Zweifel. Hoffnung. Die Konflikte seiner Vergangenheit als KGB-Spezialist. Die schwierige Beziehung zu seiner Tochter Anna. Die Frage, ob er seinem Land oder seinem Gewissen folgen soll.

All das transportiert Branagh mit einer Leichtigkeit, die Ryan Reynolds leider komplett vermissen lässt.

Immer wenn Branagh auf dem Bildschirm ist, gewinnt der Film deutlich an Qualität.

Die Action? Unterhaltsam. Die Logik? Eher nicht.

Jetzt kommen wir zu einem Punkt, bei dem ich mehrfach die Augen verdreht habe.

Ja, die Action macht Spaß.

Ja, die Verfolgungsjagden sind ordentlich inszeniert.

Aber bei vielen Szenen sollte man sein Gehirn lieber direkt an der Garderobe abgeben.

Besonders die Flugszenen haben mich immer wieder aus dem Film gerissen.

Da sitzt Ryan Reynolds in einer SR-71 Blackbird, einem Flugzeug, das mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit unterwegs ist. Die Figuren wirken dabei allerdings so entspannt, als würden sie gerade gemütlich im ICE nach Hannover fahren.

Von den enormen Belastungen durch Beschleunigung und Manöver merkt man praktisch nichts.

Noch absurder wird es bei einer Szene, in der durch ein spektakuläres Flugmanöver angeblich die Bedingungen geschaffen werden sollen, damit jemand aus dem Flugzeug springen kann. Der Film versucht das sogar mit einer wissenschaftlichen Erklärung zu unterfüttern.

Klingt clever.

Wirkt aber eher wie: „Wir sagen einfach irgendwas Technisches und hoffen, dass keiner nachfragt.“

Richtig schmunzeln musste ich bei einer Szene, in der ein anderer Jet durch seinen Triebwerksstrahl die Steuerflächen eines beschädigten Flugzeugs beeinflussen soll.

Die Idee ist spektakulär.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei nicht beide Maschinen in Einzelteile zerlegt werden, dürfte allerdings eher gering sein.

Kurz gesagt: Wer Flugtechnik mag, wird hier vermutlich mehr als einmal die Stirn runzeln.

Top Gun lässt grüßen

Was ich dagegen wirklich witzig fand, waren die deutlichen Anspielungen auf Top Gun.

An mehreren Stellen hatte ich das Gefühl, dass der Film bewusst in Richtung Tom Cruise zwinkert.

Das hat durchaus Charme und sorgt immer wieder für kleine Schmunzler.

Leider reicht das allein nicht, um die Logiklöcher zu überdecken.

Die typische Hollywood-Lösung

Was mir ebenfalls nicht besonders gefallen hat, ist die sehr amerikanische Sichtweise der Geschichte.

Zwar versucht der Film gegen Ende etwas Selbstreflexion einzubauen, doch letztlich landet man wieder bei der bekannten Botschaft:

Die Guten sind die Guten, die Probleme lösen sich irgendwie und am Ende kann man selbst politische und militärische Katastrophen mit einer überzeugenden Rede quasi wegdiskutieren.

Das wirkte auf mich einfach zu einfach.

Gerade bei einem Stoff, der politische Konflikte und die Spannungen des Kalten Krieges behandelt, hätte ich mir deutlich mehr Grautöne gewünscht.

Die Figuren im Überblick

Troy „Assassin“ Kelly (Ryan Reynolds)

Der arrogante Elitepilot soll eigentlich die große Identifikationsfigur sein. Für mich bleibt er jedoch über weite Strecken zu eindimensional und wirkt eher wie eine abgeschwächte Version seiner bekannten Rollen.

Nikolai Ustinov (Kenneth Branagh)

Der heimliche Star des Films. Eine Figur mit Tiefe, inneren Konflikten und echter Entwicklung.

Alexander Volkov (Marcin Dorociński)

Der KGB-Offizier sorgt als Gegenspieler für Druck und liefert einige spannende Verfolgungsmomente, bleibt insgesamt aber recht klassisch angelegt.

Anna Ustinova (Maria Bakalova)

Nikolais Tochter bringt zusätzliche emotionale Konflikte in die Geschichte und gibt insbesondere ihrem Vater weitere Facetten.

Mein Fazit

Mayday 2026 ist kein schlechter Film.

Aber er ist für mich vor allem eines: eine verpasste Chance.

Die Grundidee ist stark. Das Kalte-Krieg-Setting funktioniert. Die Dynamik zwischen Amerikaner und Russen hätte großes emotionales Potenzial gehabt. Kenneth Branagh liefert eine fantastische Leistung ab.

Doch genau dort, wo der Film eigentlich über Standard-Streamingkost hätte hinauswachsen können, bleibt er stehen.

Ryan Reynolds spielt erneut seine bekannte Rolle, die Handlung scheut echte Tiefe, und die zahlreichen Logikprobleme nehmen insbesondere in den Actionszenen viel Spannung heraus.

Wer einen lockeren Abenteuerfilm für einen Abend sucht, kann durchaus einen Blick riskieren.

Wer allerdings auf eine tiefgründige Kalter-Krieg-Geschichte oder ein modernes Enemy Mine gehofft hat, dürfte ähnlich enttäuscht sein wie ich.

Solide Unterhaltung für einen Streamingabend, aber weit entfernt von dem Film, den ich mir nach den ersten Kritiken erhofft hatte.

Bewertung: 2.5 von 5.

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