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Filme

Frankenstein – Guillermo del Toro: Zwischen Schöpfung und Schuld

Wie nicht anders zu erwarten, ist der neue Frankenstein von Guillermo del Toro bildgewaltig. Klassisch erzählt in Prolog und drei Akten, mit schauspielerischen Leistungen auf hohem Niveau. Aber stellt dieser Film die Geschichte wirklich neu dar?

Das Monster sieht nicht mehr aus wie ein klobiger Golem, sondern eher wie ein Ingenieur aus Alien – schlank, fremd, fast technisch. Wieder werden alle Seiten beleuchtet: Ist die Kreatur ein Monster? Oder ist der Schöpfer das wahre Monster? Was macht ein Wesen intelligent? Und die wichtigste Frage: Kann man verzeihen, obwohl die Ewigkeit des Lebens nur Verlust bedeutet?

Wer trägt die Schuld? Der Vater von Frankenstein, der seine Frau nicht retten konnte und damit Victor das Ziel gab, Leben zu erschaffen? Victor selbst, der die wahre Liebe nicht erkennt, obwohl sie direkt vor ihm steht – und das Feld seinem Bruder überlässt, der vom Vater bevorzugt wird? Die Frau, die er liebt, sieht mehr in seinem Monster als in ihm. Und doch übernimmt Victor am Ende eine Vaterrolle. Tragisch, brutal, poetisch.

Ist es ein guter Film? Ja. Ist er optisch fantastisch? Ja und nochmals ja. Allein das Design der Särge hat mich umgehauen – diese Mischung aus gotischem Prunk und industrieller Kälte. Und dann die Farbgebung: Grau dominiert, aber Rot und Blau stechen heraus wie emotionale Leuchtfeuer.

Farbcode: Rot und Blau

Del Toro nutzt Farben nicht nur als Stilmittel, sondern als moralische Marker.
Rot kennzeichnet die Geliebte, Leidenschaft, aber auch Gefahr, Wut und Gewalt. In Szenen der Nähe oder des Begehrens tauchen rote Akzente auf – ein Kleid, ein Lichtschein, die Innenseite eines Sarges. Rot ist nie nur schön, sondern immer doppeldeutig.
Blau steht für Ruhe, Kälte, Traurigkeit, Einsamkeit. Szenen der Forschung, des Rückzugs oder der Trauer sind oft in kühles Blau getaucht – Laborräume, nächtliche Gänge, stille Reflexionen. Das Blau macht die wissenschaftliche Distanz spürbar, die Einsamkeit der Figuren greifbar.

Durch das Wechselspiel von Rot und Blau wird die zentrale Frage des Films sichtbar: Nicht nur Worte, sondern Licht und Farbe entscheiden, ob wir die Kreatur als Opfer oder als Bedrohung lesen. Rot zeigt das Menschliche und das Verbotene. Blau zeigt, was es kostet, Gott spielen zu wollen.

Fazit

Frankenstein ist kein Action-Spektakel, aber brutal. Die Szene mit den Wölfen? Krass umgesetzt. Die Atmosphäre? Düster, aber nie leer. Für mich ein kleines Must-see – nicht wegen der Story allein, sondern wegen der Inszenierung, der Fragen, die bleiben, und der Bilder, die sich einbrennen.

Bewertung: 4 von 5.

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