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The Mummy (2026): Evil Dead trifft auf altägyptischen Horror

Von diesem Film war ich tatsächlich überrascht, vor allem vom Genre. Wer hier ein Abenteuer à la Die Mumie mit Brendan Fraser erwartet, also lockere Popcorn-Unterhaltung mit Schatzsuche, Rätseln und einer guten Portion Humor, wird wahrscheinlich enttäuscht werden.

Denn hier geht es deutlich weniger um Archäologie als vielmehr um Exorzismus, Dämonologie und kompromisslosen Horror. Damit orientiert sich der Film eher an klassischen Horrorgeschichten als an modernen Abenteuerfilmen.

Wenn man weiß, dass Lee Cronin bereits Evil Dead Rise inszeniert hat, erkennt man seine Handschrift sofort wieder. Nimmt man Evil Dead, mischt es mit einer Mumiengeschichte und gibt noch eine ordentliche Portion Body-Horror dazu, erhält man ziemlich genau diesen Film: „Evil Dead goes Mummy“.

Besonders interessant fand ich dabei den Umgang mit den ägyptischen Motiven. Diese dienen hier nicht als historischer Hintergrund für eine Schatzsuche, sondern werden bewusst für psychologischen und physischen Horror umgedeutet. Cronin bricht dabei radikal mit vielen bekannten Hollywood-Klischees.

So wird die Mummifizierung nicht als ehrwürdiges Ritual zur Bewahrung des Körpers für das Jenseits dargestellt. Stattdessen fungiert sie als Gefängnis, um einen uralten Dämon in einem menschlichen Wirt einzusperren. Auch optisch schlägt der Film einen völlig anderen Weg ein. Statt klassischer Leinenbinden steht grotesker Body-Horror im Mittelpunkt. Die Mumie wirkt weniger wie ein wiedererweckter Pharao und mehr wie ein lebendes Relikt aus Fleisch, Haut und uralter Magie.

Die visuelle Gestaltung der Mumie hat mir dabei besonders gefallen. Die jahrelange Gefangenschaft im Sarkophag hinterlässt sichtbare Spuren. Die Haut wirkt wie sprödes Pergament, schält sich stellenweise ab und ist mit alten Schriftzeichen übersät. Dadurch wirkt die Figur gleichzeitig tragisch, verstörend und bedrohlich.

Ähnlich verfährt der Film mit dem Skarabäus. Während dieser in der ägyptischen Mythologie für Leben, Wiedergeburt und Erneuerung steht, wird er hier zum Symbol einer verdorbenen und korrumpierten Wiedergeburt. Ein Bild, das sich durch den gesamten Film zieht und seine albtraumhafte Atmosphäre zusätzlich verstärkt.

Auch die Mythologie selbst orientiert sich eher an modernen Horrorvorstellungen. Im Zentrum steht der fiktive Dämon Nasmaranian, gegen den weder moderne Medizin noch klassische christliche Exorzismen wirklich helfen. Stattdessen greifen die Figuren auf uralte Rituale zurück, die eher an heidnische Opfer- und Bindungszeremonien erinnern. Dadurch entfernt sich der Film konsequent vom Abenteuergenre und entwickelt sich immer stärker zu einem düsteren Okkult-Horrorfilm.

Trotz aller künstlerischen Freiheiten hat mir gefallen, dass man bei der Besetzung mehr Wert auf kulturelle Authentizität gelegt hat als viele frühere Verfilmungen. Vor allem die ägyptischen Darstellerinnen verleihen dem Film eine gewisse Glaubwürdigkeit, und auch die arabischen Dialoge wirken deutlich natürlicher als in vielen vergleichbaren Hollywood-Produktionen.

Ein weiterer interessanter Punkt sind die Reaktionen aus Ägypten und der arabischen Filmkritik. Diese fallen durchaus gemischt aus, wirken insgesamt aber deutlich respektvoller als bei vielen früheren Hollywood-Produktionen über das alte Ägypten.

Besonders positiv aufgenommen wurde das Casting. Während ältere Verfilmungen Ägypten oft durch einen westlichen Blick darstellten und entsprechende Rollen nicht immer authentisch besetzten, setzt Lee Cronin diesmal bewusst auf ägyptische Schauspielerinnen. Vor allem May Calamawy und May Elghety wurden dafür gelobt, dass sie den Figuren Glaubwürdigkeit verleihen. Auch die arabischen Dialoge werden als authentisch wahrgenommen, was bei internationalen Produktionen leider noch immer keine Selbstverständlichkeit ist.

Ganz ohne Kritik kommt der Film allerdings nicht davon. Einige Stimmen bemängeln, dass Ägypten erneut als mystischer und gefährlicher Ort dargestellt wird, aus dem uralte Flüche und übernatürliche Schrecken hervorgehen. Damit bedient der Film teilweise bekannte westliche Vorstellungen vom geheimnisvollen Orient, auch wenn er sich deutlich mehr Mühe bei der kulturellen Darstellung gibt als viele seiner Vorgänger.

Kritisch gesehen wird außerdem die Mythologie des Films. Die Geschichte um einen Dämon, der über Generationen hinweg durch Rituale gebunden wird, hat wenig mit tatsächlicher ägyptischer Geschichte oder Mythologie zu tun und folgt eher klassischen westlichen Horrortraditionen. Wer historische Authentizität erwartet, wird diese hier also nur sehr begrenzt finden.

Interessanterweise scheint das viele jüngere Horrorfans in Ägypten jedoch gar nicht besonders zu stören. Dort wird der Film oft als das gesehen, was er sein möchte: ein düsterer Genre- und Body-Horrorfilm. Entsprechend werden vor allem die handwerkliche Umsetzung, das Sounddesign, die Effekte und die schauspielerischen Leistungen hervorgehoben.

Die Mumie selbst ist großartig inszeniert, der Horror intensiv und teilweise ziemlich heftig. Besonders gefallen hat mir, dass hinter all dem Schrecken auch eine Geschichte steckt. Diese bietet meines Erachtens sogar noch Raum für Interpretationen und möglicherweise ein offenes Ende. Darauf möchte ich aber nicht näher eingehen, um niemandem etwas zu spoilern.

Der Film bewegt sich klar in Richtung Gore- und Body-Horror. Ich habe bereits gelesen, dass er die Horrorfans durchaus spaltet. Die einen feiern seine kompromisslose Art, andere vermissen die klassische Abenteuerstimmung der früheren Verfilmungen.

Mir persönlich hat er gefallen. Wer einen düsteren Horrorfilm sucht und nicht die nächste Brendan-Fraser-Abenteuergeschichte erwartet, sollte dem Film definitiv eine Chance geben.

Fazit

Wer einen Nachfolger der Brendan-Fraser-Filme erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. The Mummy möchte gar kein Abenteuerfilm sein. Statt Tempelrätseln, Schatzjägern und lockerer Unterhaltung setzt Lee Cronin auf Body-Horror, Dämonologie, okkulte Rituale und eine durchgehend bedrückende Atmosphäre.

Genau deshalb funktioniert der Film für mich auch so gut. Er versucht nicht, die Vergangenheit zu kopieren, sondern interpretiert die Mumienlegende komplett neu. Das wird nicht jedem gefallen, aber genau diese Konsequenz macht ihn für mich interessant.

Für mich gehört The Mummy zu den stärkeren Horrorfilmen der letzten Zeit. Wer sich auf eine Mischung aus Evil Dead, düsterer Mythologie und kompromisslosem Horror einlassen kann, bekommt einen ungewöhnlichen, mutigen und oftmals verstörenden Genrebeitrag, der deutlich mehr wagt als viele Vertreter des modernen Mainstream-Horrors.

Bewertung: 4 von 5.

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