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Resident Evil (2026) – Der NPC-Man und warum das einer der besten Horrorfilme des Jahres ist

Manchmal geht man ins Kino, hat schon ein paar Kritiken gelesen, kennt die grobe Richtung und denkt, man wäre vorbereitet. Genau so ging es mir bei Resident Evil. Ich wusste ungefähr, worauf ich mich einlasse. Ich hatte von den ersten Stimmen gehört, ich hatte gelesen, dass der Film etwas völlig anderes machen möchte. Aber ich war nicht darauf vorbereitet, wie gut das Ganze am Ende funktioniert.

Und ganz ehrlich?

Für mich ist Resident Evil einer der besten Horrorfilme des Jahres.

Nicht nur, weil er gruselig ist. Nicht nur, weil die Monster großartig aussehen. Sondern weil Zach Cregger offenbar verstanden hat, was Resident Evil eigentlich ausmacht.

Ein NPC gerät in die Hölle

Unser Hauptcharakter Bryan ist keine Kampfmaschine. Er ist kein Geheimagent, kein Elite-Soldat und kein übermenschlicher Held.

Er ist ein medizinischer Kurierfahrer.

Ein Typ, der eigentlich nur einen lukrativen Auftrag annehmen möchte und sich dabei mehr Gedanken über sein Privatleben macht als über eine bevorstehende Zombie-Apokalypse.

Genau das macht ihn so sympathisch.

Und genau deshalb funktioniert der Film.

Bryan ist praktisch der ultimative NPC-Man. Einer dieser Charaktere, an denen man in den Spielen normalerweise vorbeiläuft, ohne ihnen große Beachtung zu schenken. Doch diesmal folgt die Kamera genau dieser Figur und zeigt, wie sich ein völlig normaler Mensch durch eine Situation kämpfen muss, die eigentlich niemand überleben kann.

Wir kennen die Regeln. Bryan nicht.

Einer der cleversten Aspekte des Films ist das Spiel mit unserem Vorwissen.

Wir kennen Resident Evil.

Wir wissen, was passiert, wenn einen ein Zombie beißt.

Wir wissen, dass man einem scheinbar toten Körper niemals trauen sollte.

Wir wissen, dass ein dunkler Keller grundsätzlich eine schlechte Idee ist.

Wir wissen, dass Umbrella niemals die Wahrheit sagt.

Bryan weiß all das nicht.

Während wir im Kinosessel bereits nervös werden, trifft Bryan Entscheidungen, die für einen normalen Menschen völlig logisch erscheinen.

Und genau daraus entsteht unglaublich viel Spannung.

Man sitzt ständig da und denkt:

„Nein, geh da nicht hin.“

„Fass das bloß nicht an.“

„Lauf einfach weg.“

Doch Bryan kann diese Warnzeichen gar nicht erkennen.

Für ihn ist das alles neu.

Für uns nicht.

Der Film dreht damit die übliche Horrorfilm-Logik um. Normalerweise lernen Zuschauer gemeinsam mit dem Hauptcharakter die Regeln der Welt kennen.

Hier kennen wir die Regeln bereits.

Der Hauptcharakter nicht.

Und genau deshalb fühlt sich jede Szene an wie ein Unfall in Zeitlupe, den man kommen sieht, aber nicht verhindern kann.

Horror statt Action

Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass dieser Film kein Actionfeuerwerk sein möchte.

Hier geht es um Angst.

Um Orientierungslosigkeit.

Und ums nackte Überleben.

Besonders beeindruckt haben mich die Jumpscares.

Nicht, weil sie besonders häufig wären.

Sondern weil sie endlich einmal richtig eingesetzt werden.

Viele Horrorfilme erschrecken ihr Publikum kurz und machen danach weiter, als wäre nichts passiert.

Resident Evil macht das nicht.

Hier ist ein Jumpscare meistens nur der Anfang.

Etwas springt plötzlich ins Bild.

Man erschrickt.

Und unmittelbar danach eskaliert die Situation komplett.

Blut fließt.

Körper werden aufgerissen.

Knochen brechen.

Tentakel schießen durch Fleisch.

Menschen werden zerfleischt.

Mutationen setzen ein.

Der Schockmoment dient nicht als Pointe, sondern als Auslöser für den eigentlichen Horror.

Genau deshalb funktionieren diese Szenen so gut.

Man erschrickt nicht nur kurz.

Man weiß mittlerweile, dass nach dem Schreck meistens etwas wirklich Grausames folgt.

Der Film verbindet Jumpscares mit Gore und Body Horror auf eine Weise, die man heutzutage nur noch selten sieht.

Und genau dadurch bleibt die Spannung konstant hoch.

Umbrella ist endlich wieder gruselig

Auch Umbrella funktioniert hier hervorragend.

Der Konzern wirkt nicht wie eine gesichtslose Firma im Hintergrund.

Er wirkt greifbar.

Kalt.

Zynisch.

Böse.

Nach und nach wird deutlich, dass das Krankenhaus keineswegs ein Ort der Rettung ist.

Vielmehr dient es Umbrella als geheime Teststation.

Menschen werden geopfert.

Daten werden gesammelt.

Und während draußen die Katastrophe ihren Lauf nimmt, beobachtet der Konzern lediglich die Ergebnisse seines eigenen Experiments.

Genau so stellt man sich Umbrella eigentlich vor.

Sind das überhaupt noch Zombies?

Je mehr ich nach dem Film darüber nachgedacht habe, desto mehr bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Kreaturen zwar offiziell vom T-Virus stammen, sich aber ganz anders verhalten als alles, was wir bisher aus Resident Evil kennen.

Und genau das macht sie so gruselig.

Wenn man an klassische Resident-Evil-Zombies denkt, hat man sofort das Bild der langsam schlurfenden Untoten vor Augen. Verrottete Körper. Starre Bewegungen. Hirnlose Monster, die einfach auf das nächste Stück Fleisch zulaufen.

Der Film macht daraus etwas völlig anderes.

Die Infizierten sehen oft noch erschreckend menschlich aus. Viele wirken zunächst sogar normal. Sie rennen, springen, reagieren blitzschnell und zeigen teilweise sogar Momente von Intelligenz oder Instinkt.

Viel schlimmer noch: Man weiß nie genau, wann die Verwandlung abgeschlossen ist.

Mehrfach spielt der Film mit Situationen, in denen vermeintliche Leichen plötzlich wieder aktiv werden. Ein Körper liegt scheinbar regungslos am Boden und Sekunden später brechen Tentakel hervor oder eine Mutation setzt ein.

Allein dadurch entsteht eine permanente Unsicherheit.

Man kann niemandem vertrauen.

Nicht einmal den Toten.

Das T-Virus … oder doch nicht?

Ein weiterer Punkt, über den ich nach dem Film noch eine ganze Weile nachgedacht habe, ist das Virus selbst.

Offiziell macht der Film nämlich keinerlei Geheimnis daraus. Umbrella spricht klar vom T-Virus. Das ist der Auslöser für die Katastrophe in Raccoon City und damit eigentlich dieselbe biologische Bedrohung, die Fans der Spiele seit Jahrzehnten kennen.

Im Film erfährt Bryan sogar, dass Umbrella an einer stabilisierenden Gegenmaßnahme arbeitet und sein Transportauftrag indirekt mit den Ereignissen des Ausbruchs zusammenhängt. Soweit also alles klassisches Resident Evil.

Oder doch nicht?

Denn je länger der Film läuft, desto mehr kam bei mir das Gefühl auf, dass sich dieses Virus überhaupt nicht wie das klassische T-Virus verhält.

Natürlich gibt es Zombies.

Natürlich gibt es die typischen Infizierten.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Was wir hier zu sehen bekommen, erinnert stellenweise viel stärker an spätere Bedrohungen aus den Spielen. Die Infektionen entwickeln sich extrem schnell weiter. Tentakel brechen aus Körpern hervor, Kreaturen mutieren innerhalb kürzester Zeit in völlig neue Formen und manche Wesen wirken fast so, als würden sie bewusst auf ihre Umgebung reagieren.

Das hat mich deutlich mehr an das G-Virus, Uroboros oder sogar die Las-Plagas-Parasiten erinnert als an das klassische T-Virus.

Besonders deutlich wird das bei der sogenannten Amalgamation.

Für mich gehört dieses Monster zu den verstörendsten Kreaturen des gesamten Films.

Aus mehreren Leichen entsteht durch die Tentakelmutation nach und nach ein einziger Organismus. Körper verschmelzen miteinander, neue Gliedmaßen wachsen, die Kreatur wird größer und größer und entwickelt sich ständig weiter.

Wer die Spiele kennt, wird dabei vermutlich sofort an William Birkin und seine G-Virus-Mutationen denken. Andere werden Erinnerungen an die Nyx-Kreatur aus Resident Evil Outbreak haben.

Und genau das macht die Sache so interessant.

Offiziell spricht der Film vom T-Virus.

Visuell und biologisch verhält sich der Erreger jedoch oft wie eine wilde Mischung aus mehreren bekannten Resident-Evil-Viren.

Selbst Bryans Schicksal am Ende passt eher zu dieser Theorie. Aus einem gewöhnlichen Infizierten wird keine einfache Zombie-Version seiner selbst. Vielmehr beginnt eine wesentlich drastischere Mutation, die eher an die grotesken Bio-Waffen späterer Spiele erinnert.

Ich habe deshalb die Vermutung, dass Zach Cregger hier ganz bewusst verschiedene Elemente der Spielreihe miteinander vermischt hat. Das T-Virus dient als bekannte Grundlage, während die eigentlichen Kreaturen von vielen anderen Kapiteln der Reihe inspiriert wurden.

Und ehrlich gesagt finde ich genau das eine ziemlich clevere Entscheidung.

Denn dadurch bekommen wir die vertraute Resident-Evil-Lore, ohne zum hundertsten Mal dieselben Zombies präsentiert zu bekommen.

Das Ergebnis fühlt sich gleichzeitig vertraut und vollkommen neu an.

Für Fans entsteht dadurch ein richtig schönes Rätsel. Einerseits sagt der Film uns ganz klar, was wir sehen sollen. Andererseits zeigen uns die Monster etwas völlig anderes.

Und genau solche Fragen beschäftigen mich immer noch Tage nach dem Kinobesuch.

Ist es wirklich nur das T-Virus?

Hat Umbrella heimlich mit anderen Erregern experimentiert?

Oder sehen wir hier bereits eine neue Mutation, die in einer möglichen Fortsetzung noch eine größere Rolle spielen könnte?

Der Film gibt darauf keine eindeutige Antwort.

Und genau deshalb macht es so viel Spaß, darüber zu spekulieren.

Der Rat King

Fast noch verstörender fand ich allerdings den sogenannten Rat King.

Als Bryan durch die Abwasserkanäle flieht, begegnet er einer gigantischen humanoiden Kreatur, die aussieht, als wäre sie direkt einem Fiebertraum entsprungen.

Kahl.

Fettleibig.

Massiv.

Unnatürlich.

Dieses Wesen wirkt nicht wie ein klassisches Resident-Evil-Monster, sondern eher wie die schlimmsten Body-Horror-Momente aus Resident Evil 7 oder Silent Hill.

Das Beeindruckende daran ist, dass die Kreatur nicht einfach digital erschaffen wurde. Man merkt ihr das Gewicht an. Jede Bewegung wirkt unangenehm real.

Die Szene gehört definitiv zu den Momenten, die mir noch lange nach dem Kinobesuch im Kopf geblieben sind.

Die Monster sind Liebesbriefe an die Spiele

Überhaupt fällt auf, dass Zach Cregger die Monster nicht einfach eins zu eins aus den Spielen übernimmt.

Stattdessen nimmt er bestimmte Ideen und entwickelt sie weiter.

Da wäre beispielsweise der sogenannte Puker.

Eine Kreatur, die den Fahrstuhl von Bryan mit aggressiver Magensäure attackiert.

Resident-Evil-Veteranen werden dabei sofort an die Fat Molded aus Resident Evil 7 oder diverse C-Virus-Mutationen aus Resident Evil 6 denken.

Dann gibt es noch die Entbindungsstation.

Und genau dort wird der Film endgültig albtraumhaft.

Zwischen den verlassenen Räumen taucht ein Spinnen-Baby auf, das bei mir sofort Erinnerungen an das berüchtigte Riesenbaby aus House Beneviento in Resident Evil Village geweckt hat.

Wer diese Passage im Spiel erlebt hat, weiß genau, warum sich bei dieser Szene die Nackenhaare aufstellen.

Doch damit nicht genug.

Mehrere Infizierte beginnen sich dort in regelrechte Kokons einzuschließen, bevor sie aufbrechen und verändert wieder hervorkommen.

Auch das kennt man in ähnlicher Form eher von den späteren Viren der Spielreihe als vom klassischen T-Virus.

Verschlossene Türen bleiben verschlossene Türen

Eine meiner Lieblingsideen des Films betrifft ausgerechnet Türen.

Oder genauer gesagt: Schlösser.

Jeder Resident-Evil-Spieler kennt das Problem.

Man besitzt genug Waffen, um ein kleines Land einzunehmen.

Aber die Holztür vor einem bleibt verschlossen.

Weil man den richtigen Schlüssel nicht hat.

Der Film macht daraus einen wunderbaren Running Gag.

An einer Stelle versucht Bryan tatsächlich, ein Vorhängeschloss mit seiner Pistole zu zerstören.

Eine völlig logische Idee.

Doch das Schloss hält einfach durch.

Später versucht er sogar, mit seinem Fahrzeug durch einen Zaun zu brechen, der lediglich von einer Kette und einem Vorhängeschloss zusammengehalten wird.

In jedem anderen Film wäre der Wagen einfach durchgebrochen.

Nicht hier.

Der Wagen bleibt hängen.

Der Zaun gewinnt.

Und plötzlich fühlt man sich exakt wie in den Spielen.

Es ist gleichzeitig absurd, lustig und unglaublich liebevoll.

Die kleinen Easter Eggs

Mindestens genauso viel Spaß machen die vielen Details im Hintergrund.

Besonders aufgefallen ist mir natürlich die Schrotflinte.

Doch noch cooler fand ich die Munition.

Die Verpackung der Schrotpatronen sieht praktisch genauso aus wie in den Spielen. Farben, Design und Aufmachung wirken direkt aus dem Inventar übernommen.

In einer Scheune entdeckt Bryan außerdem zwei Spraydosen mit grüner Beschriftung und dem bekannten grünen Kreuz.

Jeder Resident-Evil-Fan erkennt sofort die legendären First Aid Sprays.

Noch schöner wird es später in Raccoon City.

In einem verlassenen Auto liegen mehrere grüne Pflanzen.

Für normale Zuschauer vermutlich einfach Dekoration.

Für Fans sind das natürlich die berühmten Green Herbs, die seit dem ersten Spiel als Heilmittel dienen.

Genau solche Kleinigkeiten zeigen, wie viel Liebe in diesem Film steckt.

Die Referenzen werden nicht ständig ins Gesicht gedrückt.

Sie sind einfach da.

Und genau deshalb funktionieren sie so gut.

Ein Ende, das sich etwas traut

Besonders beeindruckt hat mich schließlich das Ende.

Bryan kämpft sich unter enormen Verlusten bis zum Zentrum der Katastrophe durch.

Doch eigentlich hat er längst verloren.

Denn irgendwann wird klar, dass auch er infiziert wurde.

Die Mutation beginnt.

Sein Bewusstsein verschwindet.

Und genau in diesem Moment endet der Film.

Kein Heldensieg.

Keine Rettung.

Keine letzte Heldenrede.

Einfach Dunkelheit.

Abspann.

Und plötzlich sitzt man im Kino und fragt sich, was da gerade eigentlich passiert ist.

Fazit

Resident Evil kopiert die Spiele nicht.

Es kopiert ihr Gefühl.

Die Angst.

Die Ressourcenknappheit.

Die Monster.

Die absurden Schlösser.

Die Schrotflinte.

Die grünen Kräuter.

Die Heil-Sprays.

Die Unsicherheit hinter jeder Ecke.

Vor allem aber versteht der Film etwas, das viele Videospielverfilmungen vergessen:

Resident Evil handelt nicht von Superhelden.

Resident Evil handelt von ganz normalen Menschen, die versuchen, eine Nacht zu überleben, die eigentlich niemand überleben kann.

Genau deshalb fühlt sich dieser Film nicht nur wie ein Horrorfilm an.

Er fühlt sich an wie Resident Evil.

Und genau deshalb gehört er für mich zu den besten Horrorfilmen des Jahres.


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